DIE ZEIT

Der Eid des Ministers

Die Affäre Oberländer ist nun allem Anschein nach endgültig ausgestanden. Das Hin und Her zwischen Rücktrittsversprechen und Widerruf ist zu Ende.

Schauprozeß

Die „DDR“ sei ein Nachfolgestaat des Deutschen Reiches; Völkerrecht breche Bundesrecht; Verbrechen gegen das Völkerrecht, die irgendwo in Deutschland begangen oder auch nur geplant wurden, unterlägen der Strafverfolgung durch „DDR-Staatsorgane“.

Paukenschlag aus Baku

Nikita Chruschtschow, so scheint es, hat die Staatsmänner des Westens zum Narren gehalten. Auf jeden Fall hat er dem Gipfel-Optimismus, der diesseits des Eisernen Vorhangs gerade lenzlich aufzukeimen begann, mit seiner Brandrede, von Baku einen rüden Stoß versetzt.

Römische Spiele mit der Demokratie

Seit über zwei Monaten – seit dem Rücktritt des christlich-demokratischen Kabinetts Segni am 23. Februar – vollzieht sich auf Italiens politischer Bühne ein an dramatischen Auftritten und plötzlichen Wendungen reiches, aber für die Demokratie in der jungen Republik sehr gefährliches Spiel.

Trauriges im NATO-Liederbuch

Die Liedersammlung vom fatalen Verbündeten hat nicht nur koreanische Strophen: Den traurigen Fado vom Toten in der Düne singt man zur Zeit in Portugal.

Die Luluas und die Balubas

Nun fallen sie wieder übereinander her, die Luluas und die Balubas. Ich sah vor ein paar Wochen ihre abgebrannten Dörfer im Belgischen Kongo.

ZEITSPIEGEL

Rotchina hat nach vier Jahren heißer Diskussion eine Geburtenkontrolle verworfen. Der wirtschaftliche Aufbau des Landes soll sich ohne Einschränkung des natürlichen Bevölkerungszuwachses vollziehen.

Mandarin, Marxist, Missionar

Der Mann, der am Dienstag mit leeren Händen wieder aus der indischen Hauptstadt New Delhi abflog – lächelnd trotz seines diplomatischen Mißerfolges –, zeigt viele Gesichter.

Erster Klasse

Im Riviera-Expreß. An einer der kleinen Stationen der Côte d’Azur steigt eine deutsche Familie ein: Vater, Mutter und halberwachsener Sohn.

Nordrhein-Westfalen.: Das wurde immer so gemacht

Meine Mutter, 76 Jahre alt, Rentnerin, wird einmal im Jahr aufgefordert, durch „persönliches Erscheinen“ bei der zuständigen Dienststelle des Ordnungsamtes zu beweisen, daß sie noch lebt, Mit Mühe füllt sie den ganzseitigen Vordruck aus, mit Mühe macht sie den Weg zum zwei Kilometer entfernten Ordnungsamt und wartet, bis erledigt ist, was unter Punkt 9 der Hinweise – auf der Rückseite des Formulars – in schönem Amtsdeutsch befohlen wird: „Diese Bescheinigung ist durch eine bei der Anweisung oder Zahlung (der Rente) nicht beteiligte Behörde oder durch eine dabei nicht beteiligte, zur Führung eines öffentlichen Siegels berechtigte Person .

Berlin: Berliner Bahnhofs-Scharmützel

Seit dem vergangenen Wochenende sind auf den Westberliner S-Bahnhöfen die Polizeistreifen verstärkt worden. Anlaß dazu war ein Scharmützel an der Berliner Lokalfront des kalten Kleinkriegs.

Hessen: Grüßten die Germanen mit „Sieg Heil“?

Genau die gleichen antisemitischen Haßtiraden, die der Offenburger Studienrat Ludwig Zind am Biertisch, von sich gab, soll der Mittelschullehrer Alois Kopp den Untertertianern des Geisenheimer Gymnasiums im Geschichtsunterricht vorgetragen haben.

Warum feiern wir den Stich?

Kunst, die sich entwickelt, alle zeitgenössische Kunst also, braucht Ruhe, braucht Gewährenlassen. Es ist nicht gut, mit vorschnellen Klassik fizierungen und Wertungen das Werdende zu bevormunden.

ZEITMOSAIK

Zu den Sorgen um Prinzessin Margarets Hochzeitsgäste ist die gelinde Aufregung um eine Bronzebüste der Frau gekommen, an deren Privatleben die Welt so lebhaften Anteil nimmt – eins der letzten Werke des kürzlich verstorbenen Bildhauers Sir Jacob Epstein.

Gewissermaßen unbeabsichtigt

Die französische Regierung beschloß, den kommunistischen Atomwissenschaftler Professor Frédéric Joliot-Curie seines Amtes als Leiter der französischen Atomenergiekommission zu entheben.

Unser Recht:: Zu spät versöhnt

Otto und Ottilie hatten es satt. Vierzehn Jahre waren sie miteinander verheiratet, fast fünf Jahre lang waren an jedem Wochenende die Kraftausdrücke und das Küchengeschirr geflogen: jetzt wollten sie sich scheiden lassen.

Die Chance der Negersprachen

Obwohl. Afrika der Schauplatz ist, auf dem sich in naher Zukunft vielleicht die Weltpolitik entscheiden wird, ist es in manchem noch der dunkle Erdteil geblieben.

Mitfahrergespräche

„Zum Teufel mit den Amerikanern“, rief ich und hätte vor Empörung beinahe einen Radfahrer umgefahren, „zu Hause geben sie sich so demokratisch, und in Korea gehen sie gegen die Liberalen vor.

Zadkines Formlabyrinthe

Das Kölner Wallraf-Richartz-Museum eröffnete neulich eine große Ausstellung von Skulpturen und Gouachen des Pariser Bildhauers Ossip Zadkine, die bis zum 15.

Mein Gedicht: Blühender Kirschbaum

Das Gedicht, das ich wählte, hat für mein Empfinden etwas Wohltuendes, unendlich Wohltuendes in unserer überspitzten Zeit voller Hast und Sensationslüsternheit Man ist erfreut, wieder auf etwas Einfaches, Unkompliziertes zu stoßen, das entspannt und zu den elementaren Dingen führt.

Zweihundert Seiten – kein Buch

Mit der Ansicht, daß ein Buch aus zweihundert Seiten bestehe, fängt in der Literatur das Unglück häufig an. Da hat ein guter Autor ein paar Aufsätze geschrieben, die zu ihrer Zeit und an ihrem Ort vielleicht ihre Berechtigung hatten: und nun – da die Buchfabrik dringend nach einem neuen Buchmanuskript fragt – wird ein Titel gefunden, werden die Aufsätzchen hintereinanderweg gedruckt, und schon läuft das Fließband.

Wilhelm II. – falsch gesehen

Mit Tirpitz fing es moderato an. Zedlitz-Trützschler spielte schon forte. Bülow holte zum donnernden Paukenschlag aus. Von den vielen anderen, die nach dem Zusammenbruch des Kaiserreiches von 1918 weiterhin in die Schimpfkanonade auf Wilhelm II.

Von Marshall zu Mikojan?

Die Sowjetunion wünscht, Mitglied der neuen Organisation zu werden, die an die Stelle der OEEC (Organization for European Economic Cooperation, Europäischer Wirtschaftsrat) treten soll.

Die "Roboter" setzen sich durch

Sehr viel stärker noch als im vergangenen Jahr macht sich die Atom-Technik im Bilde der Industrie-Messe geltend. Eine Reihe bekannter Unternehmungen aus verschiedenen Sparten – Elektroindustrie, Maschinenbau, Stahlerzeugung und Chemie sind vor allem zu nennen, daneben auch die Feinmechanik – haben sich in die Entwicklung auf dem Gebiet der Kerntechnik eingeschaltet.

ZEIT-RAFFER

Die Kohlevorräte in den Steinkohlezechen der Montanunion, die von ihrem Ende Oktober 1959 mit 32,8 Mill. t erreichten Höchststand bis Ende Februar 1960 auf rund 30,3 Mill.

Das erste Ei der Vier Weisen

Die von der europäischen Wirtschaftskonferenz Mitte Januar mit der Ausarbeitung von Vorschlägen zur Reorganisation der OEEC beauftragten „Vier Weisen“ haben ihr Pensum erledigt.

BDI – Bericht mit politischem Akzent

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hat seinen diesjährigen Jahresbericht, der der Mitgliederversammlung am 4. Mai vorgelegt wird, unter das Leitmotiv gestellt: „Aktionsfähige Wirtschaft – Lebensfrage der Wirtschaft“.

Konzentration statt Kartelle

Der Präsident des Bundeskartellamtes,Dr.Eberhard Guenther, sieht sich – wie er vor Bonner Journalisten sagte – auf dem „rechten“ Wege.

Zwischen englischen und deutschen Stühlen

Läßt der Mansholt-Plan künftig noch Platz für dänische Agrarerzeugnisse auf dem deutschen Markt? Das war die Frage, die dem dänischen Außenminister Krag und seinem Kollegen vom Landwirtschaftsministerium, Skytte, auch nach den jüngsten Bonner Verhandlungen am meisten am Herzen liegt.

Westfinanz international erfolgreich

Die Westdeutsche Finanzierungsgesellschaft mbH (Westfinanz), Köln, verteilt für 1959 wieder 50 000 DM Gewinnanteile auf das Stammkapital von 0,20 Mill.

Optimismus in Erdöl

Ohne daß die Umsätze gestiegen wären, hat sich. das Kursniveau während der letzten Wochen doch so weit erhöht, daß der Monat April mit größeren Gewinnen abgeschlossen werden konnte.

Keine Kapitalerhöhung!

Trotz der Labilität, des Kapitalmarktes hat die Westdeutsche Bodenkreditanstalt (Westboden), Köln, im Geschäftsjahr 1959 auf Grund guter Erträge ein zufriedenstellendes Ergebnis erzielt.

NSU kontra Börsenspekulationen

Seit die Verwaltung der NSU Werke AG, Neckarsulm, die ersten konkreten Angaben über den Wankel-Motor gemacht hat, ist die Börsenspekulation von Gerücht zu Gerücht gesprungen.

Im Wettlauf mit der Hausse

Die deutschen Lebensversicherungen können auch für das vergangene Jahr wieder mit imposanten Zahlen aufwarten. Mit einem Neuzugang von rund 10,3 Mrd.

Berliner Aktien fanden neue Liebhaber

Zu Beginn dieser Woche geriet der Aktienmarkt wieder einmal in das Fahrwasser der Politik. Die recht positiv klingenden Äußerungen zur Berlin-Frage, die aus dem Munde des französischen Staatspräsidenten zu hören waren, haben die Aufmerksamkeit der Börse auf die sogenannten Berlin-Werte, d.

Der Leser schreibt...

Ein Freund in Bolivien sandte mir Ihren Artikel über Investment-Zertifikate, den DIE ZEIT am 11. März veröffentlicht hat. Es ist nicht nur richtig, wie Sie schreiben, daß die hiesigen (gemeint sind die US-amerikanischen) Aufsichtsgesetze für Investment-Zertifikate den deutschen Gesetzen „in nichts nachstehen“, sondern die amerikanischen Gesetze die schärfsten der Welt sind.

Keine Filialen in Südamerika

Im Gegensatz zu der Deutschen überseeischen Bank (steht der Deutschen Bank nahe) will die Deutsch-Südamerikanische Bank AG, Hamburg, deren Grundkapital von 10 Mill.

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