Monochrome in Leverkusen

Kunst, die sich entwickelt, alle zeitgenössische Kunst also, braucht Ruhe, braucht Gewährenlassen. Es ist nicht gut, mit vorschnellen Klassik fizierungen und Wertungen das Werdende zu bevormunden. Bedeutet das aber zugleich, daß man sich allem überlassen muß, was sich, ob berufen oder unberufen, in der Arena der Kunst zeigt – und daß man auf jede kritische Besinnung verzichten muß?

Auf dem Gebiet der Bildenden Kunst sind wir in einer Richtung ziemlich weit vorangekommen: in Richtung Orientierungslosigkeit. Wer das schnell und gründlich erfahren will, braucht sich nur die jetzige Ausstellung „Monochrome Malerei“ im Leverkusener Schloß Morsbroich anzusehen.

Die monochrome Malerei, die Udo Kultermann im Katalog der Ausstellung „die neue Malerei“ nennt und die sich zum Teil vom dahinsiechenden Tachismus herleitet, zum Teil ihren seltsamen Mut aus dem Protest gegen eben diesen Tachismus gewinnt, ist keine schlechte Sache „an sich“. Dafür gibt es Beispiele, auch in Leverkusen.

Zugleich wird aber gerade dort, und zwar auf „internationaler Ebene“, geistiger Ausverkauf zelebriert: vielfach mit Eigenbrötelei oder gar Selbstgefälligkeit noch im Ratlosen. Ich greife hier drei Ausstellungsstücke heraus: erstens, weil sich diese Beispiele besser beschreiben als reproduzieren lassen; zweitens, weil sie musterhaft nicht etwa nur „gewisse Auswüchse“ darstellen, sondern weil sie den ungehemmten Vormarsch der Sinnentleerung deutlich demonstrieren.

Beispiel 1. Otto Piene (geboren 1928 in Laasphe in Westfalen) zeigt unter anderem auch ein Quadrat von zirka eineinhalb Meter Seitenlänge in unvariiertem Weiß. In der Mitte des Bildes (und auf den ersten Blick leicht zu übersehen) in demselben Weiß eine ganz kleine, plastisch vorragende Spitze in Form etwa eines Zündhütchens.

Beispiel 2. Yve Klein (geboren 1928 in Nizza) bietet im großen Hochformat (Höhe zirka zwei Meter) ein Rechteck, das in undifferenziertem, beißendem Ultramarinblau angestrichen ist?