Die Dresdner Bank bietet in diesem Jahre ihren Aktionären eine Dividende von 16 v. H. und ein Pari-Bezugsrecht im Verhältnis 5:1. Entscheidend für den günstigen Ausgabekurs der jungen Aktien ist das überaus günstige Wertpapiergeschäft im vergangenen Jahr. Es ermöglichte, den Rücklagen 40 Mill. DM zuzuweisen. Das fällige Aufgeld wurde so zusätzlich erwirtschaftet. Nach Durchführung der Kapitalerhöhung wird sich das Verhältnis zwischen Stammkapital und Rücklagen (Ende 1958 180:170, nunmehr 220: 210) nicht verändern. Die Aktionäre haben also allen Grund, zufrieden zu sein. In der Hauptversammlung trat deshalb auch keine Opposition auf.

Entsprechend den Gepflogenheiten der Großbanken nahmen auf der Hauptversammlung die beiden Frankfurter Vorstandsmitglieder der Dresdner Bank zu bank-und kapitalmarktpolitischen Fragen Stellung. Vierhub äußerte sich zur Mindestreservenerhöhung. Diese beschränkt nicht nur die Banken in ihrem Kreditpotential – eine kreditpolitische Funktion, für die auch die Geschäftsbanken bei der gegenwärtigen Liquiditätslage Verständnis aufbringen –, sondern sie legt ihnen auch ein spürbares Zinsopfer auf. Immerhin muß die Dresdner Bank laufend etwa 900 Mill. DM zinslos beim Zentralbanksystem unterhalten.

Vierhub ist der Auffassung, daß die Notenbank mit den Reservesätzen, wenn auch nicht rechtlich, so doch faktisch, nahe an die obere Decke herangekommen ist. Sicher ist, daß der Manöverierraum für die Notenbank nach drei Mindestreserveerhöhungen kleiner geworden ist. Nun vermag sie sich wieder stärker auf die Offenmarktpolitik umzustellen. Aber hier sind ebenfalls Grenzen gesetzt. Der gegenwärtig noch vorhandene Vorrat an Mobilisierungstiteln wird, sollte die Zahlungsbilanz weitere Überschüsse abwerfen, schnell verbraucht sein. Was aber dann? Vierhub meint hierzu, es sollten geldmarktfähige Staatstitel geschaffen werden, in denen die Geschäftsbanken ihre Liquiditätsreserven anzulegen vermögen. Die damit abgeschöpften Gelder wären im Zentralbanksystem stillzulegen oder auslandswirksam, z. B. für vorzeitige Schuldentilgung zu verwenden.

Man kann sich nicht gut vorstellen, daß dem Zentralbankrat solche Worte angenehm in den Ohren klingen werden. Der hier angedeutete Weg führt in ein unübersichtliches Gelände, in dem viele Gefahren für die Notenbank lauern. Solawechsel darf sie offenbar nicht zum Zwecke einer Offenmarktpolitik ausstellen; wenigstens gibt ihr das Gesetz hierzu keine Vollmacht. Die Schaffung eines besonderen Währungsfonds außerhalb der Notenbank aber müßte notwendigerweise den Regierungseinfluß auf die Notenbank erheblich verstärken.

Wie es aber auch sein mag, eines steht fest, daß jetzt von der Dredner Bank Probleme aufgeworfen wurden, mit denen sich die Notenbank auseinandersetzen muß, es sei denn, es gelingt, den von der Zahlungsbilanz herkommenden Liquiditätsstrom zu mindern. Wie die Dinge liegen, ist damit nur zu rechnen, wenn der Kapitalexport stärker in Gang kommt. Was bisher nach dieser Richtung hin geschehen ist, darf nicht als gering, erachtet werden, denn schließlich sind, wie Vierhub berichtete, 1,4 Mrd. DM privates Anlagekapital über den Ankauf ausländischer Wertpapiere ins Ausland gegangen. Die Dresdner Bank beurteilt auch die Vorschläge der Kreditanstalt für Wiederaufbau zur Befriedigung des langfristigen Finanzierungsbedarfs für den Export von Investitionsgütern in die überseeischen Entwicklungsländer positiv. Klarheit, so meinte Vierhub, sollte allerdings herrschen, daß ein Dauerbeitrag zur Entwicklungshilfe kaum anders als aus öffentlichen Mitteln wird geleistet werden können.

Von dem natürlichen Weg, d. h. der Schaffung eines Zinsgefälles gegenüber dem Ausland, hat man auf der Hauptversammlung der Dresdner Bank nichts gehört. Vorstandsmitglied Matthiensen, der über die Kapitalmarktpolitik berichtete, sieht wohl auch hierfür vorerst keine Möglichkeit. Er wies darauf hin, daß trotz der starken Zurückhaltung der Anleihenehmer sich bis jetzt noch keine Besserung am Rentenmarkt durchgesetzt hat. Dies scheint Matthiensen nicht weiter verwunderlich; eine restriktive Notenbankpolitik führt zu steigenden Zinssätzen und damit zu sinkenden Rentenkursen. Offensichtlich ist die Dresdner Bank also der Auffassung, daß eine Nachfrage nach festverzinslichen Werten, von denen in den letzten Wochen wirklich nichts zu spüren war, erst wieder in Erscheinung tritt, wenn eine flexible Zinspolitik getrieben wird. Im Augenblick besagt dies wohl nichts anderes, als den Zinsauftriebstendenzen am Kapitalmarkt keine Bremsen anzulegen. Kurs- und Zinsschwankungen sind nun einmal dem Rentenmarkt adäquat. Das ist, so meinte Matthiensen, auch im Ausland nicht anders. eb