„Wir sind einen Schritt weitergekommen“, meinte Düsseldorfs Oberbürgermeister Becker zu der vom nordrheinwestfälischen Verkehrsminister erteilten Genehmigung, die 2475 Meter lange Startbahn des Flughafens Lohausen um 400 Meter bis an die Bahnstrecke Düsseldorf–Duisburg zu verlängern. Und in den Zeitungen konnte man nach der Pressekonferenz lesen: „Im Kampf zwischen Köln und Düsseldorf um den verkehrstüchtigsten Flugplatz hat Düsseldorf einen Teilerfolg erzielt.“ Verkehrsminister Dr. Lauscher betrachtet die Startbahnverlängerung allerdings nicht als Teilmaßnahme. Für ihn soll der Ausbau des Flughafens damit abgeschlossen sein. Eine weitere Verlängerung der Piste über die Eisenbahn hinweg, so sagte er, komme nicht in Betracht. Ein interkontinentaler Verkehr mit schweren Düsenflugzeugen werde von Lohausen aus in Zukunft nicht möglich sein.

A. Rb., Düsseldorf

Die Entscheidung des Ministers bewegt die Gemüter aufs neue. Die vom Flugzeuglärm betroffene Bevölkerung der umliegenden Wohngebiete beklagt die Inkonsequenz der Regierung, die im November 1958 den jahrelangen Sireit um den Düsenflughafen klar zugunsten von Köln-Wahn entschieden hatte. Die Stadt Düsseldorf dagegen betrachtet die Entscheidung als eine Halbheit, die die Entwicklung ihres Flughafens unnötig hemmt.

Motiviert wird die Startbahnverlängerung nach wie vor mit humanitären Gründen. Man will den Abhebepunkt der nach Westen startenden Maschinen um 400 m nach Osten verlegen, damit sie über dem vom Lärm besonders betroffenen Stadtteil Lohausen eine größere Höhe erreichen. Diese Rücksichtnahme wollen sich das Land Nordrhein-Westfalen und die Stadt Düsseldorf erstaunliche Summen kosten lassen. Da die Startbahn bis unmittelbar an die täglich von rund 200 Zügen befahrene elektrifizierte Bahnstrecke heranführt, muß über dem Gleisstrang ein 600 Meter langes und 200 Meter breites Schutzbauwerk errichtet werden, dessen Kosten Dr. Lauscher unverbindlich mit 30 Millionen DM bezifferte. Dazu kommen acht Millionen DM für die Verlängerung und Anhebung der Startbahn. Also 38 Millionen DM für die Minderung des bisher stets bagatellisierten Lärms über Lohausen?

Der Schlüssel für die Bereitschaft, eine derartig große Summe auszugeben, dürfte eher in der Bemerkung des Ministers liegen, die Verlegung des Abhebepunktes um 400 m nach Osten werde es vielleicht gestatten, die wegen übermäßiger Lärmentwicklung verfügte Beschränkung des Abfluggewichtes der Düsenmaschinen zu lockern oder gänzlich aufzuheben. Höhere Abfluggewichte, also größerer Nutzeffekt des Luftverkehrs, das klingt glaubhafter.

Die Startbahnverlängerung soll aber auch der Sicherheit dienen. Der Minister wünscht, daß sich an der Gesamtzahl der Start-Strecken nichts ändert, denn die 400 Meter, die im Osten hinzukommen, sollen im Westen stillgelegt werden. Damit soll zugleich der notwendige Sicherheitsabstand von 1000 Meter zwischen Startbahn-Endpunkt und den ersten Häusern geschaffen werden, der jetzt entgegen den Vorschriften nicht vorhanden ist.

In dem Planfeststellungsverfahren, das jetzt einzuleiten ist, werden die Sicherheitsfragen eine wichtige Rolle spielen. Ein Flughafen, der unmittelbar an die Wohngebiete angrenzt und zudem zwischen Verkehrswegen eingekeilt ist – Bundesstraße 8 und elektrische Schnellbahn am Westrand, Eisenbahn am Ostrand – birgt viele Gefahrenquellen. Es ist zu befürchten, daß der vorgeschriebene Sicherheitsabstand gar nicht erreicht wird. Noch ehe das Schutzbauwerk fertig sein kann, wird es notwendig sein, die neue Trasse der Bundesstraße 8 zu bauen, die wenigstens 200 Meter näher am Startbahn-Endpunkt liegt als die alte. Schon wird allerdings davon gesprochen, die neue Straße neben dem Flughafen durch einen Tunnel zu führen.