London, Anfang Mai

Die Londoner Hochzeit zwischen Prinzessin Margaret, einer der prominentesten Bräute der Welt, und Mr. Antony Armstrong-Jones, dem ehemaligen Hofphotographen, wird bestrahlt vom allerhellsten Licht der Publicity. Diese Publicity übersteigt alles, was man bisher selbst der königlichen Familie zugemutet hat.

Nach einer Schätzung der British Broadcasting Corporation werden 24 Stunden nach der Trauungszeremonie nicht weniger als 300 Millionen staunende europäische Bürger das Spektakulum auf ihren Schirmen miterlebt haben, sei es in der Originalübertragung, sei es durch TV-Konserve. Für die besten Plätze vor der Westminster Abbey sind Preise bis zu 300 Mark gezahlt worden. Eine angeblich authentische Zeichnung der königlichen Hochzeitsgarderobe ist in der letzten Woche in Millionen von Zeitungsexemplaren abgedruckt worden. Die erste Biographie von Armstrong-Jones – sie stammt aus der Feder von zwei Journalisten – wurde diese Woche veröffentlicht. Und zugleich erschien auch die Neuauflage seines Photobuches über London.

Vor zwei Monaten noch, als die Verlobung öffentlich bekanntgegeben wurde, hieß es allgemein, die britische Öffentlichkeit sei nachgerade gelangweilt. Niemand zeige mehr Interesse an der Gefühls-Historie der Prinzessin Margaret. So werde auch die Hochzeit rein großes Aufsehen erregen. Die Propheten haben sich gründlich getäuscht.

Bei den Hochzeitsvorbereitungen gab es allerdings nicht nur eitel Wohlgefallen. Im Unterhaus wurden Beschwerden darüber laut, daß diese Hochzeit viel zu teuer sei. Ein oder zwei bekannte Journalisten griffen diese Vorwürfe auf. Die Kochzeit Elisabeths – damals war sie allerdings noch nicht Königin – hat etwa 70 000 Mark gekostet. Die Hochzeitsrechnung der Prinzessin Margaret wird allen Kalkulationen nach dagegen eine Endsumme von 750 000 Mark aufweisen: 300 000 Mark für Dekorationen und Blumen. Und dann noch einmal 450 000 Mark für die Hochzeitsreise in die Karibische See an Bord der königlichen Jacht – mit ihrer Besatzung von 27 Offizieren und Matrosen. Im Unterhaus hieß es, die Regierung hätte so hohe Ausgaben nicht zulassen dürfen, besonders nicht in einer Zeit, da sie gezwungen sei, Maßnahmen zu ergreifen, um die Ausgabenfreudigkeit der englischen Konsumenten zu bremsen.

Die Regierung hat geantwortet – und die überwiegende Mehrheit der Engländer hat diese Antwort akzeptiert. Das Geld, so lautete die Rechtfertigung, werde nicht einfach für zwei Privatpersonen ausgegeben, sondern für einen großen Staatsakt. Und außerdem werde dadurch vielleicht sogar noch der Tourismus gefördert. Und was den Trip zu den Westindischen Inseln angehe, so sei das im Grunde nichts anderes als eine jener Reisen, wie sie die Mitglieder der königlichen Familie (pflichtgemäß) immer wieder in alle Teile des Commonwealth unternehmen. Schließlich müsse die königliche Jacht ja hin und wieder mal auslaufen.

Mittlerweile hat die öffentliche Neugier auf Prinzessin Margaret und Mr. Armstrong-Jones einen solchen Grad erreicht, daß die Zeitungen und Magazine im Land sich mächtig anstrengen müssen, um immer wieder neuen Stoff zu liefern. Dieses Brautpaar ist ja auch tatsächlich viel interessanter als so viele andere Leute, die in das Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit geraten. Prinzessin Margaret ist ein Mädchen, das sich seiner Position voll bewußt ist, zugleich aber sehr leicht gelangweilt wird durch die steifen Formen des britischen Hofprotokolls, ein Mädchen, das sich für die leichteren und nicht so anspruchsvollen Künste interessiert und das – sei es infolge seiner allzu behüteten Kindheit und Jugend oder aber infolge seiner sehr unglücklichen Beziehung zu Mr. Townsend – etwas weniger reif wirkt, als man von einer 30jährigen wohl erwarten dürfte. Aber sie ist auch ein Mädchen, das seinen eigenen Kopf hat.