Wenn nichts Unvorhergesehenes eintritt, wird die Hoesch AG, Dortmund, am 30. September dieses Jahres ein ausgezeichnetes Geschäftsjahr abschließen. Das erklärte Vorstands Vorsitzender Dipl.-Ing. Dr.-Ing. E. h. Willy Ochel, als die Hoesch-Verwaltung in diesen Jagen den Abschluß des Jahres 1958/59 vor der Presseerläuterte. Schon das Berichtsjahr war, vor allem dank der Entwicklung in der zweitenHälfte, gut, aber in 1960 wird es für weite Bereiche der westdeutschen Stahlindustrie neue Rekorde geben. Das gilt in vollem Umfang für die Hoesch-Gruppe. Enorme Steigerungsraten gab es in der zweiten Jahreshälfte 1959, und wie zu hören war, sind die Höchstzahlen des Berichtsjahres inzwischen bereits wieder überschritten worden.

Das zeigt der folgende Produktionsvergleich, der bereits das erste Halbjahr 1959/60 einbezieht: Danach sind bei Hoesch im ersten Halbjahr 1958/59 814 000 t Rohstahl, im zweiten Halbjahr 1 Mill. t und in den ersten 6 Monaten des laufenden Jahres 1,15 Mill. t Rohstahl erzeugt worden. Für Roheisen lauten die gleichen Zahlen 609 000 t, 748 000 t und 877 000 t, und an Walzwerksfertigprodukten wurden jeweils 407 000 t, 575 000 t und 626 000 t erzeugt.

Die Äußerung der Verwaltung, daß sie mit dem ersten Halbjahr 1959/60 „sehr zufrieden“ sei, ist schon auf Grund dieser Zahlen, die zwar nur einen Teilbereich der Gruppe repräsentieren, verständlich. Aber auch die Umsatzergebnisse des Gesamtkonzerns zeigen den gleichen Trend. Während im Berichtsjahr der Fremdumsatz der Gruppe mit 1,622 (1,619) Mrd. DM nur geringfügig angestiegen ist, verspricht das Jahr 1959/60 darüber hinauszugehen. Der in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres erzielte Monatsdurchschnitt von 204,5 (184) Mill. DM entspricht bisher einer Umsatzsteigerung von 12,6 v. H. gegenüber dem Berichtsjahr.

In 1958/59 hat die Eisenseite des Konzerns am erfolgreichsten abgeschnitten. Nach der im Berichtsjahr vollzogenen Umwandlung der Zechengesellschaften, der Westfalenhütte AG, der Hoesch-Walzwerke AG und der Hoesch-Ruhrwerke AG auf die frühere Holding ist zwar ein detaillierter Einblick in die Entwicklung der einzelnen Sparten des Unternehmens erschwert worden, aber es ist anzuerkennen, daß sich die Verwaltung bemüht, den früheren Publizitätsgrad weitgehend aufrechtzuerhalten.

So wird im Geschäftsbericht der Teilumsatz der Hütte sowie der Walz- und Rohrwerke mit 965,89 (929,05) Mill. DM angegeben. Mit dieser ansehnlichen Steigerung beträgt der Anteil derEisenseite am Konzernumsatz 48,5 v. H. Der Umsatzrückgang der Hoesch-Zechen hielt sich mit 272,25 (289,55) Mill. DM in Grenzen. Leicht rückläufig verlief auch das Geschäft der Verarbeitungsgruppe mit 190,55 (204,91) Mill. DM, während die Handelsgesellschaffen ihren Wertabsatz auf 565,81 (560,18) Mill. DM steigern konnten.

Weniger aufschlußreich sind allerdings die Angaben, die die Verwaltung zur Ertragsentwicklung in den einzelnen Konzernbereichen gibt. Zu dem guten Ergebnis des Gesamtunternehmens haben, wie in der Pressekonferenz erklärt wurde, der Bergbau und die Hütte 54,2 v. H., Verarbeitung und sonstige 37,1 v. H. undder Handel 8,4 v. H. beigetragen. Diese Relation ist mit den Vorjahrsangaben indessen leider nicht zu vergleichen. Es darf aber unterstellt werden, daß die Hütte einen nicht unwesentlichen Beitrag zu der insgesamt erfreulichen Ertragslage der Hoesch-Gruppe geleistet hat. Im Geschäftsbericht wird – ausdrücklich darauf hingewiesen, daß die gute Auslastung der Anlagen und die niedrigen Ersatzkosten für Erz und Schrott den Ertrag günstig beeinflußt haben. Bemerkenswert ist auch die Aussage, daß die aufzuwendenden Arbeitsstunden je Tonne Rohstahl im Berichtsjahr um fast eine ganze Stunde auf etwa 13,5 Stunden reduziert werden konnten.

In der konsolidierten Gewinn- und Verlustrechnung erscheint der Rohertrag mit 779,55 (752,89) Mill. DM weit stärker angestiegen als der Umsatz der Gruppe. Aus dem Ergebnis, dem allerdings auch außerordentliche Erträge in Höhe von 26,3 (16,1) Mill. DM zugeflossen sind, konnten einige Sonderposten spielend bewältigt werden. Es konnte ein ansehnlicher Importwarenabschlag vorgenommen werden, der in den außerordentlichen Aufwendungen von 15,1 (6,7) Mill. DM steckt, und es konnten neben den ungefähr gleichgebliebenen Abschreibungen von 116 (115) Mill. DM Sonderabschreibungen von 12,28 (13,54) Mill. DM nachgeholt werden. (Im Vorjahr mußten hierfür die Rücklagen mit in Anspruch genommen werden.) Löhne und Gehälter erscheinen mit 348,92 (358,04) Mill. DM erstaunlich geringer, während der Fiskus einen etwa gleichgebliebenen Ergebnisanteil erhalten hat. Ertragssteuern sind nach 31,7 Mill. DM in 1957/58 im Berichtsjahr auf 32 Mill. DM geringfügig angestiegen. Erheblich gewachsen ist dagegen der Betrag, den Hoesch an die Aktionäre ausschütten wird. Für die auf 10 (8) v. H. erhöhte Dividende sind 37,5 Mill. DM erforderlich. Der konsolidierte Reingewinn beträgt 38,2 (30,5) Mill. DM. Damit ist auch Hoesch nach einer drei Jahre lang konstanten Dividende mit in die Spitzengruppe der Montanindustrie aufgerückt.