Zufriedene Gesichter in Hannover: Die Voraussagen haben sich erfüllt. Es war wirklich, nach Umfang des Angebots und dank des Investitionsbooms, eine Messe „wie noch nie“. Zudem besteht aller Anlaß, mit der Preisentwicklung zufrieden zu sein, die eine bemerkenswerte Stabilität zeigte: bei einigen Preisnachlässen, speziell für Rundfunk- und Fernsehgeräte, und übrigens auch für Staubsauger. Freilich sind für Kapitalgüter (vor allem für größere Anlagen) die Lieferfristen noch einmal um einiges länger geworden. Vielfach war von Fertigungsterminen zu Anfang oder im Laufe des Jahres 1961 die Rede. Aber dafür ist ja die Messe nicht verantwortlich. Das sind eben Begleiterscheinungen der Hochkonjunktur.

Einige glückliche Umstände haben wesentlich dazu beigetragen, das äußere Bild der Messe zu vervollkommnen. Nach mehrjähriger Pause waren die großen Chemie-Konzerne erstmalig wieder in Hannover vertreten. Ferner kam das Saargebiet mit einer Reihe von Ausstellern, voran das Haus Röchling. Wie stark das Ausland bereits auf der Hannover-Messe vertreten ist – die mit einigem Recht als die „erste europäische Industriemesse“ bezeichnet werden kann –, mag die Angabe zeigen, daß über 30 v. H. der Aussteller von Werkzeugen und über 20 v. H. der Aussteller im Maschinenbau ausländische Firmen waren. Nahe bei 20 v. H. liegt die Auslandsbeteiligung bei so bedeutenden Sparten wie der Elektroindustrie, bei Büromaschinen und -material, der Bauindustrie, dem Industriebedarf, bei Porzellan und Keramik sowie Glas; dichtauf folgen dann Feinmechanik und Optik, Schmuckwaren und auch der zunehmend wichtiger werdende Bereich der Chemie einschließlich der Kunststoffe.

Von den „klassischen“ Industriezweigen, die zu Unrecht bei den letzten Messen ein wenig im Schatten standen, mag an dieser Stelle Glas besonders hervorgehoben sein. Man kann nämlich sagen, daß – unbemerkt von den nicht unmittelbar Beteiligten – für Glas „die Zukunft schon begonnen hat“, wie die Tatsache zeigt, daß seit 1936 der Verbrauch mehr, als verdreifacht werden konnte (je Kopf der Bevölkerung gerechnet). Nun sind allerdings manche Sparten – wie etwa Flachglas als modernes Baumaterial – auf der Messe kaum vertreten; aus dem technischen Bereich erscheinen im wesentlichen nur Laborglas sowie technische Spezialgläser für wissenschaftliche Zwecke. Es fehlt also fast ganz das „Investitionsmaterial“ Glas, wie auch Glas als Verpackungsmaterial, und es überwiegen hauswirtschaftliche Güter, nämlich Wirtschafts-, Beleuchtungs- und Zierglas.

Das Angebot wird seit Jahren in zwei Messehäusern – Beleuchtungsglas im „Leuchtenhochhaus“ am Südeingang, „Wirtschaftsglas“ im weiteren Sinne, zusammen mit Keramik und Schmuckwaren, im Haus 18 am Nordeingang – gezeigt, was sicherlich seinen Grund hat, aber doch eine gewisse Aufspaltung bedeutet. Neuerdings ist in der Halle für Feinmechanik und Optik ein neuer Schwerpunkt des Angebots an technischen Spezialgläsern entstanden. Aber ganz ähnlich ist ja auch die Entwicklung in vielen anderen Industriezweigen, wie etwa bei Kunststoffen, wo von einer Zusammenfassung des Angebots immer weniger die Rede sein kann, weil. für Aussteller wie für Käufer nicht mehr das Ausgangsmaterial wichtig ist, sondern immer mehr der Verwendungszweck.

Aus ähnlichen Gründen verstärkt sich da, wo ursprünglich nur Spezialmaschinen gezeigt worden waren, das Angebot an „sonstigem Bedarf“ der präsumtiven Käufer. Das wird besonders deutlich in den drei Hallen, wo Maschinen für die Holzbearbeitung ausgestellt sind und wo nun immer mehr Messestände jene Materialien zeigen, die „Fertigungsbedarf“ darstellen: Hebewerkzeuge . und Fördermittel, weiterhin Verkettungseinrichtungen, die zwischen die einzelnen Verarbeitungsmaschinen geschaltet werden, dazu Leime, Klebstoffe, Spanholz- und Kunststoff-Formteile, Schlösser und Beschläge. Hier erweist es sich, unter anderem, wie stark neuerdings auch die Arbeit in der „kleinen Werkstatt“, wie sie für die Holzverarbeitung ja weitgehend typisch ist, zur Fließarbeit wird, also in ihrer technischen Gestaltung vom Materialdurchlauf her bestimmt ist. Und weiter wird deutlich, daß Mittel- und Kleinbetriebe immer noch eine bedeutende Rolle in der Gesamtproduktion spielen, also auch als Messebesucher und Kaufinteressenten, zumal gerade für sie ein erheblicher Nachholbedarf an Modernisierung besteht – speziell in dem Sinne, den Transport von Werkstücken innerhalb der Arbeitsräume ebenso radikal zu beschränken wie die „Zwischenlagerung“ halbfertiger Teile.

Es kommt hinzu, daß Holz, verspant und gepreßt, als neuer Werkstoff immer stärker vordringt, und zwar keineswegs nur in Form von Platten, als Bauelement: Es werden sogar schon „gepreßte“ Stühle und auch „gepreßte“ Leitern gezeigt. Schweißen mit Ultraschall und „kleben statt nieten“ sind, auf anderen Sachgebieten^ ähnliche und vielleicht noch eindrucksvollere Beispiele für den ständigen Wandel in der Verfahrenstechnik. Also gibt es doch immer wieder Neuheiten – wenn auch freilich kaum in der Form, des „Messeschlagers“ längst vergangener Zeiten, als die Messen noch mehr Schau und noch nicht so versachlicht waren wie heute. Erwin Topf

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Bei der „Sachtleben“ AG für Bergbau und chemische Industrie, Köln, soll der für den 9. Juni anberaumten Hauptversammlung vorgeschlagen werden, das Grundkapital durch Umwandlung vonRücklagen um 11,250 Mill. auf 33,75 Mill. durch Ausgabe von neuen Aktien mit Gewinnberechtigung ab 1. Januar 1959 im Verhältnis 2 : 1 zu erhöhen und für 1959 eine Dividende von 10 v. H. auf das erhöhte Grundkapital auszuschütten.