pk Hannover

Zu den Angewohnheiten, wenn nicht Untugenden des Bürgers gehört es, gelegentlich über die Aufblähung der Bürokratie zu schimpfen; zu seinen Tugenden, trotz allem gläubig auf die Verwaltungsvereinfachung zu warten.

Da ist in Niedersachsens Landeshauptstadt Hannover vor zwei Jahren das „Landesverwaltungsamt“ geschaffen worden, eine Superbehörde zur – Einsparung von Behörden. Jedenfalls glaubte man das, als der Kabinettsbeschluß verkündet wurde, nach dem mit Wirkung vom 1. Mai 1958 zehn bis dahin selbständige „Landesämter“ und dergleichen „im Zuge der Verwaltungsvereinfachung“ unter einen Hut gebracht wurden: das Landesvermessungsamt, das Amt für Landesplanung und Statistik, der Landeskonservator, die Stelle für Naturschutz und Landschaftspflege, die Landesbildstelle, das Eisenbahnamt, die Eichdirektion, das Außenhandelskontor, das Landesamt für Ernährungswirtschaft und das Landesinstitut für Arbeitsmedizin und Gewerbehygiene. Sie alle hatten bis dahin zwischen Regierungspräsidium und Ministerien ein vorwiegend stilles Eigenleben geführt.

Itzo ist in Hannover Jubiläum. Der „entscheidende Schritt“ zur Verwaltungsvereinfachung ist zwei Jahre her. Der Finanzminister wurde in einer Pressekonferenz gefragt, ob die Einrichtung der Mammutbehörde – mit rund 1600 Angehörigen – sich im Etat des Landes irgendwie, positiv oder negativ, bemerkbar gemacht habe. Der Minister wich aus: das Kabinett wolle in Kürze prüfen, ob und wie die Behördenzusammenfassung sich bewährt habe... In einem Aufsatz aus der Feder eines der „Bediensteten“ des Landesverwaltungsamts liest man (ohne Zahlenangaben „Unzweifelhaft haben sich hinsichtlich Materialeinsatz, Dienstreisen und Kraftfahrzeugbenutzung Einsparungen ergeben; andererseits haben sich bei wachsenden Aufgaben Neueinstellungen nicht vermeiden lassen.“ Vereinfacht heißt das: plus-minus-null!

Doch! Ein Ergebnis der Verwaltungsvereinfachung ist nicht zu übersehen. Wenn man der niedersächsischen Landeshauptstadt vom Südwesten her zustrebt, dann ragt zwischen dem großen Gasometer und der Rathauskuppel stolz ein Hochhaus in den blaßblauen Frühlingshimmel: das vielstöckige Landesverwaltungsamt, ein Neubau im Werte von einigen Millionen Mark. Es heißt, darin soll demnächst ein elektronisches Rechenzentrum für die Verwaltung eingerichtet werden. Denn Rechnen, so sagt man, gehört zum Vereinfachen...