Im Jahre 2007 würde die hier folgende Rezension vielleicht so entstehen. Der Autor würde sich vor ein schreibmaschinengroßes Gerät setzen, auf dem sich jedoch nur sieben Tasten befinden. Er würde drei Tasten drücken und dann den Apparat Apparat sein lassen. Er würde nur laut denken, was ihm „so zu seinem Thema“ einfällt, schließlich den Kasten abschalten und einige Blätter in Empfang nehmen. Auf ihnen fände er dann, sinnvoll geordnet und korrigiert, das, was Sie hier lesen, gleichzeitig übersetzt ins Englische und Lateinische – wenn, ja wenn wir dem trauen dürfen, was in dem Buch von

M. Wassiljew und S. Guschtschew: „Reportage aus dem 21. Jahrhundert“, aus dem Russischen übertragen von Dr. Romy u. Cvetanka Mestan; Nannen-Verlag, Hamburg; 256 S., 9,80 DM

auf Seite 142 steht. „So stellen sich sowjetische Wissenschaftler die Zukunft vor“, heißt das Werk im Untertitel, das zwei russische Journalisten schrieben, die die Koryphäen der sowjetischen Forschung interviewten. Nach Ansicht der befragten Wissenschaftler gehören Mondfahrten, unblutige Operationen, Radieschen so groß wie Palmen, künstlicher Schnee, segelnde Autos und zwei (statt acht) Stunden Nachtruhe im 21. Jahrhundert zu den Erscheinungen, die niemandem mehr als ungewöhnlich auffallen.

Geschrieben ist diese utopische Darstellung mit dem unbekümmerten Optimismus des Rationalismus, in dem die ganze sowjetische Wissenschaft heute noch tief steckt. Dieses Buch bestätigt übrigens Weizsäckers Anschauung von der Wissenschaft als der universalen Religion unserer Zeit. Ihr huldigen die Sowjets so bedingungslos, daß sie mit eiskaltem Stolz verkünden können: „Von diesem Augenblick an wird der Mensch vollkommen Herr über die lebende Natur sein.“

Ein westliches Gegenstück zu der sowjetischen Reportage aus dem 21. Jahrhundert ist

Herbert W. Franke: „... nichts bleibt uns als das Staunen“; Wilhelm Goldmann Verlag, München; 164 S., 9,80 DM.

Der durch zahlreiche populärwissenschaftliche Werke hervorgetretene Autor kommt zu den gleichen Ergebnissen wie die beiden Russen, Aber er zeichnet sich durch eine gewisse Bescheidenheit aus, die allerdings weniger auf ethischen Vorstellungen als auf einem nüchternen Relativismus beruht. Franke wagt auch die Kardinalfrage zu stellen, die für die Russen gar nicht existiert: Ob die Menschheit in einer Roboterwelt glücklicher wäre? Seine Antwort: es werden viele „liebgewordene Vorstellungen“ zerfließen – wie zum Beispiel der Glaube an die zentrale Stellung des Menschen im Weltall, an ausgleichende Gerechtigkeit, an eine Zielstrebigkeit des Weltgeschehens in einem von uns erwünschten und begreifbaren Sinn. Der Mensch wird sich ohne persönlichen Schutz sehen, ohne Teilnahme an seinem Schicksal, ohne fürsorgliche Lenkung seines Lebens, wie sie im Mittelpunkt von Familie und Erziehung steht. Er wird ohne Hoffnung auf bewußtes Weiterleben nach dem Tode existieren müssen,

Die Autoren beider Bücher entwerfen Bilder, die uns frösteln machen... Günther Specovius