Der Urlaub ist heute ein soziales Grundrecht, auf das jeder Bürger einen Anspruch hat. Aber gerade weil es sich hierbei um ein Recht handelt, ist es auch mit erheblichen Pflichten verbunden. Urlaub bedeutet praktisch eine sozialrechtliche Verpflichtung zur Erholung. Infolgedessen beinhaltet das Urlaubsrecht zwangsläufig das Arbeitsverbot.

In den Tarifverträgen ist ausdrücklich bestimmt worden: „Der Urlaub dient der Erholung und der Erhaltung der Arbeitskraft. Während des Urlaubs darf der Arbeitnehmer keine dem Urlaubszweck widersprechende Erwerbsarbeit leisten.“ Für die Arbeitnehmer der freien Wirtschaft ergeben sich daraus beachtliche Rechtsfolgen. Der Arbeitgeber hat gegen seinen Arbeitnehmer nämlich einen klagbaren Unterlassungsanspruch auf Urlaubs-Erwerbsarbeit an einem anderen Platz. In schweren Fällen dieser Pflichtverletzung kann sogar ein wichtiger Grund zur fristlosen Entlassung vorliegen. Das führen auch die Tarifverträge in ihren Bemerkungen zu den betreffenden Bestimmungen aus. Hält sich der beurlaubte Arbeitnehmer nicht an diese bindenden Verpflichtungen, setzt er sich auch der Gefahr des Schadenersatzes aus.

Es ist also verboten, Gesundheit und Arbeitskraft durch Erwerbsarbeit während des Urlaubs zu schwächen. Geschädigt wird durch solche verbotene Urlaubsarbeit nicht nur der arbeitende Arbeitnehmer, sondern auch sein Arbeitgeber und weiterhin die Pflichtkassen, die ja Krankengelder zahlen müssen, wenn der Arbeitnehmer nach dem Urlaub ausfällt. Für alle öffentlichen Lohnempfänger bestimmt die Rechtsordnung durch Tarifvertrag, daß der Anspruch auf die Dienstbezüge während des Urlaubs entfällt, wenn unerlaubte Arbeit während der Urlaubszeit geleistet wird. Wie es kein Recht zur Selbstverstümmelung oder zum Selbstmord gibt, besteht auch kein Recht zum Raubbau an der eigenen Gesundheit und Arbeitskraft.

Dazu hat das Bundesarbeitsgericht im Urteil vom 19. Dezember 1958 grundsätzlich festgestellt: „Der Urlaub soll einen Raubbau an der Arbeitskraft des einzelnen Arbeiters verhindern und gewährleisten, daß er ohne die Bindung an die Tagesarbeit seine Persönlichkeit frei entfalten kann. Letztlich zielt der Urlaub nicht nur auf das Wohl des einzelnen Arbeiters, der seine körperliche und geistig-seelische Kraft erneuern kann, und das Interesse des Arbeitgebers selbst, dem gesunde und arbeitsfreudige Arbeiter erhalten werden sollen, sondern auch auf das Interesse der Gesamtheit.“

In dem Entscheidungsfall hatte ein Bauunternehmer das Urlaubsgeld an seine Arbeiter ausgezahlt, anstatt es für Urlaubsmarken zu verwenden. Das rügen die Richter mit folgenden Feststellungen: „Dabei wiegt die Tarifuntreue des Arbeitgebers erheblich schwerer als die des Arbeitnehmers. Der Arbeitgeber ist der wirtschaftlich Stärkere. Von ihm muß auch die größere Einsicht verlangt werden. Wie die tariftreuen Arbeitgeber hätte er die Urlaubsmarkenregelung in seinem Betrieb auch gegen den Willen seiner Arbeitnehmer durchführen müssen. Er durfte seinen Arbeitern nicht einen – freilich nur scheinbaren – Vorteil verschaffen, den sie als tariftreue Arbeitnehmer nicht erhalten hätten.“

Nach den Urlaubsbestimmungen ist daher auch nur in den dringendsten Ausnahmefällen eine Teilung des Urlaubs gestattet, weil dann eine nachhaltige Erholung nur schwer möglich ist, – ke