FÜR wohlhabende Freunde moderner Kunst ebenso wie für (wohlhabende) Skeptiker

Lothar-Günther Buchheim: „Der Blaue Reiter und die ‚Neue Künstlervereinigung München‘“; Buchheim Verlag, Feldafing; 400 S. mit 400 Abb., 96,– DM.

ES ENTHÄLT die umfassendste Geschichte jener Richtung der modernen Malerei, die sich nach einem Bild von Kandinsky „Der Blaue Reiter“ nannte und zur Entwicklung der modernen Kunst, nicht nur in Deutschland, beigetragen hat wie keine andere; dazu insbesondere prächtig illustrierte Biographien der beteiligten Künstler: Wassily Kandinsky, Franz Marc, August Macke, Alexej von Jawlensky, Paul Klee, Alfred Kubin, Gabriele Munter, Heinrich Campendonk und Marianne von Werefkin.

ES GEFÄLLT, weil man jeder Seite die liebende Sorgfalt, mit der dieses Buch geschrieben und hergestellt wurde, anmerkt; weil Illustrationen und Text sich zwanglos zu einem Ganzen verbinden; weil das Werk wissenschaftlichen Rang beanspruchen darf und doch so geschrieben ist, daß jeder interessierte Laie sich hier mühelos informieren kann. Mühelos? Es ist eine Lust, in diesem Buch zu lesen.

Kuriosum: Während wir es uns in dieser Rubrik ZU EMPFEHLEN zur Aufgabe gemacht haben, einem jeweils bestimmten Leserkreis Ratschläge für die Erweiterung seiner Bibliothek oder für Geschenke an Freunde und Verwandte zu geben, empfehlen wir hier ein Buch, das Sie gar nicht kaufen können. Jedenfalls vorläufig nicht. Wassily Kandinskys Witwe, Nina Kandinsky, hat den Verkauf des Buches untersagen lassen und geltend gemacht, sie habe die Erlaubnis zur Reproduktion von Bildern ihres Mannes, für die ihr am Ende des Buches gedankt wird, nie gegeben. Es wird von einem Münchener Gerichtshof, der gerade jetzt tagt, abhängen, ob sich eine Möglichkeit finden läßt, dieses Buch nicht nur zu empfehlen, sondern auch zu verkaufen. – a. f.