Der Zentralbankrat hat beschlossen, die Mindestreserven für Sicht- und Termineinlagen um 15 v. H., die für Spareinlagen um 10 v. H. ihres Standes vom Oktober 1959 zu erhöhen. Somit werden Großbanken‚ für welche die höchsten Sätze gelten, von Juni an über 20 v. H. ihrer Sichtverbindlichkeiten zinslos im Zentralbanksystem unterhalten müssen. Am anderen Ende der Skala stehen Spareinlagen, die an Nebenplätzen bei Kreditinstituten unterhalten werden. Bei ihnen. beträgt der Reservesatz 7,5 v. H. Nach Ausführungen von Präsident Blessing werden damit Beträge von etwa 1,2 Mrd. DM zusätzlich währungspolitisch stillgelegt. Dies ist ungefähr die Summe, die seit der letzten Maßnahme der Bundesbank vom Ausland her in den inneren Kreislauf eingeflossen ist.

Die Mindestreservenerhöhung ist also wohlbegründet. Aber die eigentliche Ursache des Übels, der anhaltende Zahlungsbilanzüberschuß, wird durch die Reservenerhöhung nicht beseitigt.

Damit ist nicht gesagt, daß die Bundesbank die außenwirtschaftliche Situation unzureichend beachtet habe. Das Gegenteil ist der Fall; sonst hätte sie den bequemeren Weg, nämlich den einer Aktivierung der Offenmarktpolitik, gewählt. Dazu aber wäre eine Erhöhung der Abgabesätze für Mobilisierungstitel notwendig gewesen. Möglicherweise hätte dies dann Auslandsgeld angelockt; das ist vermieden worden.

Nun ist der Bundesbank in den letzten Wochen von Geschäftsbanken verschiedentlich nahegelegt worden, das Instrument der Mindestreserven nicht zu überfordern. Dabei haben sicherlich Befürchtungen um die Bankenrentabilität mitgesprochen, aber dennoch wird man die Vorschläge von Hermann J. Abs, den Geldexport attraktiver zu gestalten, ernsthaft prüfen müssen. Mit seinen Bemerkungen zielte Abs auf die Anregung aus Geschäftsbankenkreisen, nach denen wenigstens ein Teil der Auslandsguthaben der Geschäftsbanken auf die Mindestreserven angerechnet werden sollte. Ernsthafte Beachtung verdient auch der Vorschlag des Vorstandsmitgliedes der Dresdner Bank, Vierhub, Staatstitel am offenen Markt zu verkaufen und die Gegenwerte entweder in der Notenbank stillzulegen oder sie für vorzeitige Schuldentilgungen u. ä. zu verwenden.

Praktikabel sind nur Maßnahmen, welche die Wirksamkeit des Instruments der Mindestreserve nicht beeinträchtigen. Der Vorschlag, die Mindestreserven zu verzinsen, der von Geschäftsbanken gemacht wurde, scheidet daher aus. Anders verhält es sich mit dem Vorschlag der Anrechnung von Auslandsguthaben auf reservepflichtige Verbindlichkeiten. Aber auch das ist nicht einfach. Eine solche Regelung würde die Großbanken mit einem; ausgedehnten Auslandsgeschäft allzusehr begünstigen, während kleine Banken draußen an den Nebenplätzen, die mit dem Ausland in der Regel keine Verbindung haben, davon keinen Gebrauch machen können.

Nun aber zeigen die derzeitig gültigen Anweisungen der Bundesbank über Mindestreserven, daß bei der Berechnung der reservepflichtigen Verbindlichkeiten noch gewisse Ausweichmöglichkeiten bestehen. So sind z. B. Fremdwährungseinlagen (im Betrag der bei Banken im Ausland unterhaltenen Guthaben und der ausländischen Geldmarktanlagen) nicht reservepflichtig. Jedenfalls sollten die Mindestreserve-Anweisungen der Bundesbank sorgfältig auf die noch in ihnen ruhenden Möglichkeiten überprüft werden. W. R.