Von Norbert Lang

Der folgenden Arbeit wurde der 1. Preis zuerkannt in einem Wettbewerb, den das Sonderprogramm des Bayerischen Rundfunks unter dem Titel „Wissenschaft und Publizistik“ veranstaltete. Aufgabe war es, Forschungsergebnisse der Wissenschaft in allgemeinverständlicher und allgemein interessierender Form darzustellen.

Einer der Programmpunkte auf dem diesjährigen deutschen Internistenkongreß sind die Bluteiweißkörperchen. Die wichtige Rolle, die diese Gruppe von Molekülen des Blutes im Organismus spielt, spiegelt sich in den Themen zahlreicher Vorträge des Kongresses wider.

Nun sind die Vorstellungen des Nichtmediziners über diese Materie weit spärlicher und vager als etwa das Wissen um die Funktion der Organe oder um die Bedeutung der festen Blutbestandteile, der Blutkörperchen. Gewiß ist Ihnen die Aufgabe der roten Blutkörperchen als Sauerstofftransporteur bekannt, mehr oder weniger auch die Bedeutung der weißen Blutkörperchen, von der Sie sich vielleicht die Vorstellung einer Ordnungspolizei machen, eines Festnahme- und Abschleppdienstes für die im Krankheitsfall auftretenden „störenden Elemente“, nämlich Bakterien, Gewebstrümmer und so weiter.

Vielleicht ist dem nicht-medizinischen Hörer auch die Existenz des dritten Zelltypes im Blut bewußt, der Gerinnungskörperchen, die nach unseren jetzigen Vorstellungen nicht nur zur Blutgefäßabdichtung im Fall einer Verletzung, sondern auch zur Regulierung der Gefäßdichte unter der Alltagsbeanspruchung beitragen; es sind die Kanalisationsarbeiter, die den Folgen von normalem Verschleiß und Rohrbrüchen im Bereich des Blutgefäßkanals entgegenwirken, in dessen Flüssigkeitsstrom die Blutkörperchen schweben.

Nun kann die Dichtigkeit eines Blutgefäß-Systems aber nicht der einer betonwandigen Kanalisation entsprechen; denn es muß ja durch die Gefäßwand hindurch ein lebhafter Stoffaustausch mit den Geweben stattfinden. Wie dann aber trotzdem das Wasser im Kanal des Kreislaufs festhalten?

Mit dieser Frage sind wir indirekt schon bei den Blut- oder (genauer gesagt) Serum-Eiweißkörpern angelangt. Sie nämlich haben die Fähigkeit, das Blutwasser entgegen einem Druckgefälle festzuhalten und damit zu verhindern, daß die Blutkörperchen „trockengelegt“ werden und dem Herzen seine Pumparbeit unmöglich gemacht wird.