R. S., Bonn

Botho von Steegen, 60 Jahre alt, Sohn eines Majoratsherrn aus Polen, fühlte sich verkannt. Er zündete in Bonn Beethovens Geburtshaus an. Seine Rechtfertigung: es solle endlich das an ihm verübte Unrecht vor Gericht zur Sprache kommen.

In Italien hatte er sich als „Kaufmann“ betätigt. Betrügereien brachten ihn ins Gefängnis. Die italienische Regierung wollte den lästigen Ausländer loswerden. Gegen seinen Willen stellte die Botschaft der Bundesrepublik in Rom einen Paß für ihn aus. So wurde er in das Bundesgebiet abgeschoben. Hier erstattet er bald Anzeige auf Anzeige. Er rebelliert gegen seinen Fürsorgesatz, der ihm zu niedrig erscheint. Die Bonner Staatsanwaltschaft weiß sich des Querulanten kaum zu erwehren.

Da geht er, den schlichten Besucher mimend, mit einem Campingbeutel voll Benzin in Beethovens Geburtshaus und legt Feuer. Die alten Möbel im „Bonner Zimmer“, einige Bilder und Schriften verbrennen. Die wertvollsten Handschriften indes, werdet; gerettet. Widerstandslos, ja sichtlich zufrieden, läßt sich der Täter festnehmen. Er will ja „seinen“ Prozeß, bei dem seine ganze Lebensgeschichte, das ganze „Unrecht“, das ihm geschah, vor aller Welt ausgebreitet werden soll.

Ein Narr? Einer, der sich in den Nachkriegsverhältnissen nicht zurechtfinden konnte? Er ist nicht der erste, der den Ruhm eines Unsterblichen mißbraucht, um dadurch auf sich selbst aufmerksam zu machen. Das schwer beschädigte Rubensbild in der Münchner Pinakothek war eines der letzten Opfer solch herostratischer Geltungssucht.