AdF, Rom

Die christlich-demokratische Minderheitsregierung Tambroni hat nun auch vom Senat – dank der Hilfe der Neofaschisten – das Vertrauen erhalten. Damit ist die Regierungskrise nach zweimonatiger Dauer behoben. Die politische Krise aber bleibt. Denn das Kabinett Tambroni, das Italiens Interessen bei den kommenden internationalen Konferenzen wahren und nicht zuletzt das Land bei den Olympischen Spielen in Rom repräsentieren soll, muß spätestens Ende Oktober abtreten. Das war die Bedingung, unter der Tambroni die Zustimmung seiner eigenen Partei erhielt.

Sechs Monate Burgfrieden hat Tambroni erreicht, und die Democrazia Cristiana, eine weitere Frist, um sich über ihre politische Linie klar zu werden: Anlehnung nach links oder rechts oder Rückkehr zur Politik der Mitte. Die politische Auseinandersetzung hat sich vom Parlament in die Christlich-Demokratische Partei verlagert.

Entscheidend für diese Auseinandersetzung mag die schroffe Absage der Nenni-Sozialisten an Saragat sein. Der sozialdemokratische Führer hatte gefordert, sie sollten ihre Beziehungen zur KP auf kommunaler und gewerkschaftlicher Ebene abbrechen. Aber sogar einer der Hauptexponenten des rechten, autonomistischen Flügels der Sozialisten hat Saragats Wunsch glatt abgelehnt. Angesichts solch ungebrochener Solidarität zwischen Sozialisten und Kommunisten ist es unwahrscheinlich, daß es den Linkskatholiken um Fanfani gelingt, im Nationalrat der DC die von ihnen ersehnte „Öffnung nach links“ durchzusetzen.