Die 7000 Einwohner von Bad Orb haben gut Frohlocken: im vorigen Jahr haben sie 40 000 Gäste zu Besuch gehabt, und es ist zu erwarten, daß die Zahl in den kommenden Jahren noch größer werden wird. Das Städtchen, 180 Meter über dem Meeresspiegel im nordwestlichen Teil des Spessarts gelegen, hat einen guten Ruf bei allen, die von Rheumatismus, Herz- und Kreislaufkrankheiten geplagt werden, aber auch bei denen, die nur kommen, sich hier zu erholen.

Das Flüßchen Orb gab dem Bad den Namen, seinen Ruf indessen verdankt es dem Moor, dem Schlamm, den Quellen. Der Apotheker Franz Leopold Koch war es, der den Wert dieser natürlichen Kurmittel erkannte und im Jahre 1836 das erste Badehaus hatte errichten lassen. Vierzehn Jahre vorher war die Philippsquelle entdeckt, 1825 die Ludwigsquelle erbohrt worden. Hinzu kam 1874 schließlich die Martinusquelle – alles erdig-sulfatische Kochsalzsäuerlinge, eisenhaltig und reich an Kohlensäure.

Das Kurviertel mit seinen modernen Häusern im Landhausstil und mit gepflegten Anlagen zieht sich am Flüßchen entlang bis ins Tal hinab, wo in einem Wildgarten Damhirsche gehalten werden. Von den Höhen des Spessarts weht kühle Luft ins Tal: angenehmes Mittelgebirgsklima für Herzkranke. Die Wege sind gepflegt und laden zu Terrainkuren ein. Dem Training des Herzens dient freilich auch der tausend Meter lange Golfplatz. Drei Kurmittelhäuser, gut über die Stadt verteilt, gibt es in Bad Orb. Hier können Sprudel- und Moorbäder genommen werden, hier werden auch Fangopackungen geboten.

Das Torfmoor wird in der Hohen Rhön gewonnen. Es enthält Mineralien, Pflanzenstoffe, ferner Humine und Gerbstoffe. Da der Moorbrei ein schlechter Wärmeleiter ist, sind auch höheie Temperaturen als im Wasserbad erträglich; die Hitze wird langsamer auf den Körper übertragen, der sich allmählich darauf einstellen kann. Gerade die Wärme ist es ja, auf die es hierbei ankommt. Sie fördert die Durchblutung. Ergänzt wird diese Behandlung durch Massage und Gymnastik. Rheumakranke empfinden diese Behandlung als ungewöhnlich wohltuend.

Bei Rheuma, Gicht und Gelenkerkrankungei empfehlen sich indessen auch Fangopackungei (ital. Fango: „Schlamm“): Der Mineralschlamm als pastenförmiger Brei bereitet, wird in einen Tuch gegen die kranken Körperstellen gepreßt.

Herzkranke – vor allem diejenigen, die von einem Infarkt bedroht sind – machen in Bad Orb von den aufsteigenden Hauffschen Armbädern Gebrauch. Trinkkuren mit dem Wasser der schwach kochsalzhaltigen Martinusquelle hingegen bringt denen Linderung, die unter Magen- und Darmbeschwerden zu leiden haben.

Vorhanden ist ferner ein Gemeinschafts-Inhalatorium. Wem es der Arzt verschrieben hat, kann auch einzeln inhalieren, hier dann auch unter Zusatz bestimmter Medikamente. Bleibt noch das Gradierwerk zu erwähnen, dessen angenehme salzhaltige Luft den Bronchien wohltut.

Alle diese Kuren werden von einer Forschungsstelle der Universität Marburg beobachtet; sie verbürgt genaue Anwendung der vorhandenen Kurmittel. Richard Kühn