ch.b.Berlin

Die Leser der Sowjetzonenpresse hatten. während der ersten Maiwoche Gelegenheit, alltäglich etwas über die ausgezeichneten Beziehungen zwischen Ostberlin und Belgrad zu erfahren. Anlaß zu dieser Demonstration erstaunlicher Harmonie war der Besuch einer Volkskammer-Delegation in Belgrad. Der prominenteste Gast aus Ostberlin war SED-Spitzenfunktionär und Politbüro-Mitglied Hermann Matern – jener Matern, der 1952 noch im Zusammenhang mit dem Slansky-Prozeß die „Tito-Clique“ als eine „Bande von Spionen und Mördern“ bezeichnete, die „schon längst durch die KPdSU und durch Stalin als amerikanische Agentur entlarvt wurde“.

Inzwischen ist das Schimpfwort „Titoist“ seltener geworden, und auch das Verhältnis zwischen der SED und den jugoslawischen Kommunisten hat sich seit dem Herbst 1957 langsam gebessert. Hilfestellung gab dabei die Bundesregierung, die damals an Jugoslawien zum erstenmal die Hallstein-Doktrin vorexerzierte.

Jetzt, nach dem Volkskammer-Besuch, wird von der Sowjetzonenpresse eine Bemerkung von Staatschef Tito verbreitet, der gesagt haben soll, es sei ein Glück, daß die DDR existiere. Die SED-Propagandisten werten diesen Satz als Beweis dafür, daß – „ungeachtet aller sonstigen gesellschaftlichen und ideologichen Unterschiede die jugoslawische Haltung in wichtigen internationalen Fragen und insbesondere in der deutschen Frage weitgehend“ mit ihren Ansichten übereinstimmt.

Ob diese Einmütigkeit nun auch praktische Folgen zeitigt, ist eine andere Sache. Einstweilen gilt noch die Erklärung des jugoslawischen Außenministeriums vom Februar dieses Jahres, daß Marschall Tito einen Separatfrieden mit der DDR nicht für aktuell halte.