Die Bundesbank zur konjunkturellen Lage und zu den geldpolitischen Maßnahmen

Von Jacques Stohler

Der Geschäftsbericht der Deutschen Bundesbank für das Jahr 1959 (abgeschlossen am 26. April 1960) ist hauptsächlich im Hinblick auf zwei Probleme aufschlußreich – die Beurteilung der Konjunkturlage einerseits und der währungspolitischen Situation andererseits. Mit ihren Konjunkturdiagnosen haben die maßgebenden Experten der Bundesbank eine glückliche Hand bewiesen. Das ist deshalb erfreulich, weil ein vertrauenswürdiger Wegweiser in diesem unübersichtlichen Gelände für jedermann äußerst wertvoll ist. Ein Vergleich der prognostischen Tendenz-Angaben der Notenbank mit der jeweiligen Entwicklung legt es nahe, auch in Zukunft auf die Stimme aus Frankfurt zu hören.

So kann die Bundesbank heute gelassen darauf hinweisen, daß sie im Frühjahr 1959 die damals verbreitete Furcht vor einer Recession nicht empfunden, sondern mit einer baldigen Expansion gerechnet hat, und „tatsächlich hat die Wirtschaftsentwicklung des Jahres 1959 diesen Erwartungen entsprochen“ – sogar so sehr entsprochen, daß die Bank im Herbst des vergangenen Jahres von einer jahrelangen Politik der Zinssenkung auf Restriktion umschalten mußte.

Impulse der Expansion

Wie sieht die Bundesbank nun die gegenwärtige Situation? Die Kumulation eines privaten und öffentlichen Baubooms, der zyklisch bedingte Aufbau der Warenlager und ein eigentlicher „Nachfragesog“ aus dem Ausland sind die Impulse, die seit einiger Zeit kräftig in Richtung auf Expansion hinwirken. Dazu kommt noch ein Wachstumsimpuls, der sich aus diesen originären Faktoren ableitet, nämlich die Verstärkung der inländischen Investitionsnachfrage. Die wachsende Ausnutzung der Kapazitäten und der Arbeitskräftemangel lassen gegenwärtig sowohl Investitionen zur Erweiterung als auch zur Rationalisierung als rentabel erscheinen.

Dieser zunehmenden Nachfrage stand nun nicht etwa ein konstantes Warenangebot in der Bundesrepublik gegenüber, sonst wäre es längst zu drastischen Preissteigerungen gekommen. Vielmehr hat sich das Angebot elastisch verhalten und ist der Nachfrage – mit einiger Verzögerung – gefolgt. In erster Linie konnte der stürmischen Nachfrage dank der vorangegangenen Zollsenkungen und Liberalisierung durch wachsende Einfuhren einiger Wind aus den Segeln genommen werden. Dank ungenutzter Produktionskapazitäten und gewisser Reserven an Arbeitskräften, die Anfang 1959 noch bestanden, war auch eine Steigerung der deutschen Produktion möglich, und zwar, gemessen am Sozialprodukt, um reale 5,7 v. H.