Das DP-Duell zwischen Heinrich Hellwege und Herbert Schneider in Heilbronn

Von Rolf Zundel

Die Deutsche Partei hat am Wochenende ihren Bundesparteitag in Heilbronn abgehalten – einen Parteitag im Schatten der kommenden Bundestagswahl. 1957 hatten eine Million Wähler (3,4 Prozent) für die DP gestimmt. Aber fünf Prozent oder drei Direktmandate sind notwendig, damit eine Partei aus eigener Kraft in den Bundestag kommt. 1957 hatte die CDU der DP durch Wahlkreisabsprachen über die Hürde geholfen. Wie aber wird die DP die Wahl von 1961 bestehen? Und vor allem: Wer soll die Partei im Wahlkampf führen – der forsche und bewegliche Herbert Schneider aus Bremerhaven oder Heinrich Hellwege, der bedächtige Niedersachse? Das waren die entscheidenden Fragen, die die Delegierten der DP auf ihrem Parteitag in Heilbronn bewegten.

Als Heinrich Hellwege seine massige Gestalt auf das Rednerpodium wuchtete, legten die Niedersachsen ihre Zigarren weg und klatschten wie besessen. Laut dröhnte der Beifall für ihren Mann durch den Saal. Nicht alle der 277 Delegierten freilich, die aus dem ganzen Bundesgebiet zum DP-Parteitag nach Heilbronn gekommen waren, applaudierten Hellwege. Bei den Delegierten aus Hessen, Nordrhein-Westfalen und Hamburg rührte sich kaum eine Hand. Ihr Favorit für das Amt des Bundesvorsitzenden saß hochaufgerichtet, unbewegten Gesichts, im eleganten, dunkelblauen Anzug an der Stirnseite des Saales: Herbert Schneider aus Bremerhaven.

„Rechenschaftsbericht des Parteidirektoriums“ stand auf dem Programm. Aber Hellweges Ansprache war nicht bloß die Rede eines Politikers, dessen Partei um ihre Existenz ringt. Sie war Rechtfertigung und Verteidigung eines Mannes, der um die Führung der Partei kämpft, die ihm zu entgleiten droht. Und Hellwege, dem seine Gegner mangelndes Temperament, Entschlußlosigkeit und Behäbigkeit vorwerfen, kämpfte wie kaum einer es erwartet hätte. Er sah: Für ihn zeigte die Uhr fünf Minuten vor zwölf.

In einigen Landesverbänden war die Mißstimmung über Hellweges lasche Parteiführung und über die niedersächsische Vorherrschaft innerhalb der DP in der Tat gefährlich gewachsen. Noch in der Nacht vor der Wahl des Parteivorsitzenden hatten die Werber Schneiders die Gasthöfe von Heilbronn abgeklappert und di e Unentschlossenen unter den Delegierten bearbeitet; Trotz der sicheren Unterstützung der 91 Niedersachsen, die ein Drittel der Versammlung stellten, war der Ausgang der Wahl ungewiß. Selbst die wettfreudigsten Journalisten wagten keinen Einsatz.

Hellwege redete. Zwei Stunden lang donnerte er, beschwor er seine Mannen. Und indem er sein Bild einer konservativen Partei und eines konservativen Politikers entwarf, setzte er sich auch – ohne je den Namen zu erwähnen – mit seinem Rivalen Herbert Schneider auseinander. Er zog gegen die Überbetonung des Nationalen zu Felde, und er nannte die „Demokratie eine Staatsform der Geduld“, die nicht für Hitzköpfe geschaffen sei. Hart ging er mit jenen ins Gericht, die sich als „Manager der Macht aufführen und sich damit an der demokratischen Zukunftshoffnung unseres ganzen Volkes versündigen“.