Minister mit vielen Eigenschaften

Es ist gar nicht so leicht, einen Nachfolger für Prof. Oberländer als Bundesvertriebenenminister zu finden. Gewiß wäre der CSU-Abgeordnete Schütz, den viele Flüchtlinge gern auf diesem Posten sähen, ein Mann mit guten Voraussetzungen für das Amt. Aber daß er Sudetendeutscher ist, das könnte in der Tat seiner Betrauung einen mißdeutbaren Aspekt geben.

Erkennt man dies an, so geht es dabei gar nicht, wie Bundesminister Seebohm glaubt, um eine „Diffamierung der sudetendeutschen Volksgruppe“ oder eines so redlichen und treuen Anwalts der Vertriebenen, wie es Schütz ist. Aber im Ausland lauern viele auf einen Vorwand, uns eins am Zeuge zu flicken. Nichts dagegen, daß ein Mann, der aus seiner Heimat vertrieben wurde, die Leitung eines Bundesministeriums übernimmt. Nur etwa zum Außenminister oder zum Bundesvertriebenenminister sollten wir uns einen anderen als einen Sudetendeutschen aussuchen.

Ein von vielen Seiten sehr empfohlener Kandidat für das Amt ist der Präsident des Bundes der Vertriebenen, der CDU-Abgeordnete Hans Krüger. Man ist aber andererseits wieder froh, in ihm einen so besonnenen, maßvollen und doch auch bei den Vertriebenen angesehenen Mann an der Spitze dieser großen Vereinigung zu haben und möchte ihn deshalb begreiflicherweise nicht gern von dort wegholen.

Natürlich gibt es auch noch andere Kandidaten, bei denen man die etwas heterogene Mischung der hier verlangten Qualifikationen zu finden hofft. Dieser Mann (warum könnte es überdies nicht eine Frau sein?) soll der Aufgabe sachlich gewachsen sein, er soll das Vertrauen der Vertriebenen besitzen, er soll deren Interessen im Rahmen der allgemeinen Bedürfnisse mit Energie wahrnehmen, aber dies doch wieder so geschickt und wendig, daß nicht unter den „Einheimischen“ oder im Ausland Staub aufgewirbelt wird. Und das alles in einer Person ... wer hat diese Talente? R. S.