Unter den zahlreichen (allzu zahlreichen?) Gremien, die sich hierzulande der Förderung und Organisation dessen widmen, was man „kulturelle Belange“ nennt, die im besonderen sich um die Universitäten kümmern, hat der aus 39 illustren Mitgliedern (16 Professoren, 6 Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, 6 Staatssekretären der Bundesregierung, 11 Kultusministern) bestehende Wissenschaftsrat zweifellos das größte Prestige und am ehesten die Möglichkeit, seinen Vorschlägen auch jenen Nachdruck zu schaffen, ohne den nun einmal nichts geschieht.

Auf seiner Plenarsitzung am 7. Mai 1960 in München hat der Wissenschafts einstimmig einen Beschluß gefaßt, der im wesentlichen Folgendes sagt:

Die Zahl der Studenten in Deutschland hat sich einerseits in der letzten Generation verdoppelt, andererseits auch damit noch nicht die in Westeuropa als „normal“ anzusehende Höhe erreicht. Sie wird und soll also weiter wachsen.

Das heißt: Alle bereits vorgesehenen Vergrößerungen unserer Universitäten müssen schleunigst Wirklichkeit werden. Aber das genügt nicht. Ausweichmöglichkeiten auf (neu zu gründende) Fachschulen müssen für „Teile der auf der Universität gelehrten Fächer“ (solche Formulierungen sind notwendig, wo es einstimmige Beschlüsse zu erreichen gilt) erwogen werden. Vor allem aber – es ist heraus: Neue Universitäten müssen gegründet werden.

Als nächstes wird nun zwar erst wieder mal ein Ausschuß eingesetzt, der das alles „prüfen“ soll – erfahrungsgemäß bedeutet das Verzögerung und Verwässerung – aber wir wollen nichts verschworen haben: Vielleicht hat durch diesen Beschluß des Wissenschaftsrats die allgemeine Erkenntnis, daß an unseren Hochschulen manches im argen liegt, jene Befruchtung erfahren, aus der in nicht allzu ferner Zukunft statt immer neuen Verhandlungen und Diskussionen mal ein paar befreiende Taten entspringen. Leo