Hamburg ist wieder mal avantgardistisch“ – Für zwei Schuljahre aus dem Stundenplan gestrichen.

H. M., Hamburg

Uamburg ist wieder einmal avantgardistisch wie so oft in Schulfragen. Die ganze. Sache scheint aber noch nicht völlig durchdacht zu sein.“ Pastor Dr. Wölber‚ Senior an der Nicolai-Kirche; meint damit die Kürzung der wöchentlichen Unterrichtsstunden an den Hamburger Staatsschulen, die in der evangelischen Landeskirche zu einer heftigen Diskussion geführt hat. Diese fühlt sich besonders betroffen, weil dem Rotstift auch ein Teil des Religionsunterrichts zum Opfer gefallen ist.

Seit Beginn des Schuljahres haben die 13- und 14jährigen Schüler in Hamburg keinen Religionsunterricht mehr. Die Schulbehörde hat für die Klasse 8 der Volksschulen und für die Klassen 8 und 9 der Mittel- und Oberschulen die beiden wöchentlichen Religionsstunden gestrichen. Füt die Klasse 9 der Volksschulen ist zum Ende des Schuljahrs ein Religionsepochenunterricht vorgesehen.

Zorn der Synodalen

An dieser Regelung entzündete sich der Zorn der Synodalen, Auf der Synode der Landeskirche im April forderte Oberstudienrat Hans R. Kuckuck, die Schulbehörde solle die „Kontinuität des Religionsunterrichts“ sofort wiederherstellen. Das Ergebnis der sehr lebhaften Debatte war dann auch, daß die Synode einen Schulausschuß beauftragte, Lösungsmöglichkeiten für die künftige Gestaltung des Religionsunterrichts zu suchen, womit er seitdem eifrig beschäftigt ist.

Nun ist es nicht etwa so, daß die Schulbehörde über den Kopf der Kirche hinweg gehandelt und auf diese Weise – wie es auf den ersten Blick scheinen konnte – einen kleinen Kulturkampf entfesselt hat. Landesbischof D. Witte und eine kleine Verhandlungskommission der Kirchenleitung hatten vielmehr der von der Schulbehörde vorgeschlagenen Regelung vorher zugestimmt. „Es war nach langer Zeit das erste Gespräch zwischen Kirche und Staat“, sagte Pastor Dr. Wölber heute dazu. „Wir haben Verständnis beim Senat für unsere Sorgen gefunden, und wir hoffen, ganz allgemein eine Verbesserung des Religionsunterrichts zu erreichen, denn der ist unser Sorgenkind.“