Noch besser, noch bequemer, noch schöner, noch attraktiver und wohl gar auch noch viel neuer – die Angebote jagen einander in den flotten Zeiten des zwar lückenhaften, aber dennoch vorhandenen Wohlstandes. Gesetz unserer Zeit? Vielleicht, vielleicht aber auch eine böse Unart – nicht nur derer, die solche Locksprüche ersinnen, sondern auch derer, die sie provozieren. Mitunter freilich entsteht dabei auch etwas sehr Hübsches. Das Allerneueste – um im Jargon zu bleiben – sind die Hobby-Reisen. Sie werden den urlaubstrunkenen Konsumenten in diesem Jahr zum erstenmal zu pauschalen Preisen angeboten.

Hobby heißt in biederem Deutsch Steckenpferd. Ein Steckenpferd will mit Fleiß gefüttert sein (das kostet den Reitern Geld), und es will geritten sein (das verlangt Hingabe). Reiter, die ein Steckenpferd nur im Urlaub aus dem Stall holen oder gar aus einem fremden mieten müssen, bringen es höchstens zu den simplen Freuden eines oberflächlich genossenen Amüsements. Doch, wer weiß es, vielleicht macht das Pferd den Reiter?

Da bieten Reisebüros (wie das DER) und Touristikunternehmen (wie Touropa) Ferien an mit Segelkursen; 14 Tage kosten etwa 250 Mark (Kleidung: „sportlich, segelmäßig, grundsätzlich weiß“), auf dem Chiemsee, dem Thunersee, dem Ammersee. An der französischen Mittelmeerküste lockt „Dr. Budings Tennisparadies des Südens“ mit „vier kalifornisch-roten Tennisplätzen und einer Spezialübungswand“ (Sieben Tage von 174 Mark an). Reitkurse sind in St. Gallen, in Herrenberg (Württ.), am Wörthersee, am Bodensee, in Kärnten, in der Rhön – wo man auch Autofahren lernen kann – angesagt; der Hochschwarzwald (Feldberg-Bärenthal) winkt mit Pony-Trekking (Vorsicht: „Personen über 85 kg Gewicht können in der Regel an den Pony-Wanderungen nicht teilnehmen“). In Rothenburg ob der Tauber – „unerschöpfliche Fundgrube an Motiven jeglicher Art“ – kann man sich in der Malerei versuchen, und in Mittenwald und Füssen wird einem das Photographieren beigebracht. Das ist noch nicht alles: Auf der Wasserkuppe lernt man Segelfliegen, auf Ibiza das Unterwasserfischen mit Harpune und Stechspieß, Bergsteigen auf der Ziroger Alm, Golf spielen in St. Gallen. Und schließlich darf man Bekanntschaft mit fremden Sprachen schließen: mit Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch dort, wo es gesprochen wird. Das ist ein wenig teurer, dafür aber wird dem Lernbegierigen Familienanschluß verheißen. Hobby und Bildung in der geruhsamen Zeit des Urlaubs – warum nicht? Und selbst den Wünschen unserer fleißig mahnenden Ärzte ist hinlänglich Genüge getan: Der Mensch erholt sich, indem er etliche Tage lang nicht nur etwas anderes sieht und erlebt, sich nicht nur ausruht und ziellos dahinlebt und sich langweilt, sondern auch etwas tut – aber das, was ihm Spaß macht. m. s.