Aus Jordanien erreicht uns eine interessante Erfolgsmeldung amerikanischer Flossentaucher, Einer mit Preßluft-Atemgeräten ausgerüsteten Gruppe von Amateur-Archäologen aus Kansas-City ist es anscheinend gelungen, die Überreste der verderbt-berüchtigten Städte Sodom und Gomorrha im Toten Meer zu finden. Die vier Flossentaucher, darunter zwei Frauen, haben nach wochenlanger Suche in der trüben, salzigen Flut folgende Ruinenteile identifiziert:

Einen teilweise zerstörten Uferwall, vermutlich eine Art Stadtmauer;

neun verschieden hohe Hügel, die auf einstige, bebaute Erhebungen innerhalb menschlicher Siedlungen schließen lassen;

eine etwa vier Meter breite Zufahrtstraße, die einen der Hügel mit der Küste verbindet und weitere, wie es heißt, „ausgedehnte“ überflutete Spuren einstiger Zivilisation.

Einige der Mauerreste, erklärte der Expeditionsleiter Dr. R. E. Baney, würden in den nächsten Jahren vielleicht über der Wasserfläche sichtbar werden, wenn der Spiegel des Toten Meeres weiter sinke.

Titus war verblüfft

Sodom und Gomorrha haben der Überlieferung nach gemeinsam mit einigen anderen Städten vor rund 4000 Jahren in dem fruchtbaren Tal Siddim am Südende des Toten Meeres gelegen, bis eine Erdbebenkatastrophe sie vernichtete. Das Tal Siddim wurde dabei überflutet. Es bildet heute den seichten, nur etwa zwanzig Meter tiefen Südzipfel des Toten Meeres. Das Tote Meer selbst stellt den abflußlosen Endsee des Jordan-Flusses dar. Es ist mit seiner 394 Meter unter dem Meeresspiegel liegenden Wasseroberfläche und seinem Salzgehalt von 26 v. H. (Weltmeere: drei bis vier v. H.) eine geologische Rarität ersten Ranges. Sein Wasser trägt einen Menschen, auch wenn er keine Schwimmbewegungen macht, und die Taucher mußten aus diesem Grunde mehr Bleigewichte umschnallen, als dies bei ähnlichen Tauchunternehmen üblich ist. Wie es heißt, habe die Tragfähigkeit dieses Wassers schon im Jahre 70 den römischen Feldherrn Titus verblüfft, als er bei der Belagerung von Jerusalem ein paar zum Tode verurteilte Sklaven zusammenketten und in die Flut warfen ließ. Die Todeskandidaten ertranken aber nicht, sondern tauchten wie Korken immer wieder aus dem Wasser auf. Titus soll sie daraufhin begnadigt haben.