an, Schwerin

Mit einem Prozeß wegen Staatsverrats endete jetzt eine Geschichte, die 1954 ganz harmlos angefangen hatte. Damals hatte Walter Grohmann in Schwerin Besuch aus der Bundesrepublik bekommen. Sein alter Kriegskamerad Sievers hatte auf einer Reise in Berlin in Schwerin Station gemacht und die Gelegenheit benutzt; seinen ehemaligen Spieß wieder zu treffen. Bei der Unterhaltung war die Rede auch auf ein Kameradschaftstreffen der 12. Nachrichtenabteilung gekommen, bei der beide gedient hatten. In Metternich (Eifel) wollten sich die ehemaligen „Zwölfer“ treffen. Zeitgerecht erhielt Grohmann von Sievers eine Einladung zur „Silberhochzeit“. Mit dem Interzonenpaß gab es damals auch kaum Schwierigkeiten ; Grohmann fuhr an die Eifel.

Im Prozeßbericht der „Schweriner Volkszei-’ung“ nimmt sich das Treffen der Zwölfer so aus: „Grohmann grölte dort sein zackiges ‚Erika‘ In die mit faschistischen Fahnen behängte Bude“, ließ sich ein „Freßpaket überseeischer Herkunft“ in die Hand drücken und nannte, solchermaßen gestochen, die Namen und Anschriften anderer Regimentskameraden aus der Zone.

Zwei Jahre später, 1956, besuchte der Ex-Kompaniechef Schmidt seinen Ex-„Spieß“ in Schwerin. Gemeinsam fuhren sie nach Dabei im Srenzkreis Sternberg zu Otto Cords, dem ehemaligen Burschen Schmidts. Bei einigen Bieren wurde Wiedersehen gefeiert. „Cords reihte sich, wieder in die Militaristenbrut ein“, denn er fuhr mit Grohmann zusammen zum nächsten Treffen der „Zwölfer“ in Hamburg-Bergedorf.

„Hier versammelt man sich“, nach dem Bericht des lokalen SED-Blattes, ,in einer schwarzweißrot und mit eisernen Kreuzen behängten Kneipe. Die hier gehaltenen Reden, in denen man ganz offen die faschistischen Überfälle auf friedliebende Völker zu rechtfertigen versuchte, ja, die Forderung nach einem neuen Ostlandritt erhob, ließen nichts in Deutlichkeit zu wünschen übrig. Auch diesmal gedachte man der notleidenden Kameraden aus der Ostzone‘. Wieder wurden Fressalien verteilt. Diesmal Käse. 500 Gramm pro Schnauze.“

Das waren die „Verbrechen“. Und das sind die Strafen: zwei Jahre Gefängnis für Grohmann, ein Jahr Gefängnis für Cords, denn „die Verbindung zu solchen Organisationen und eine Teilnahme an solchen Treffen ist ein Verbrechen und ein Verrat an unserem Staat“.