M., Hamburg

Für den Weg zum Zahnarzt rechne ich eine Viertelstunde Autofahrt. Diesmal war ich in fünf Minuten dort. Das kam, weil Prinzessin Margaret den Photographen heiratete.

Sonst, wenn ich im Laden des Metzgermeisters bin, renne ich, bevor ich zu meiner Wurst komme, mindestens drei-, viermal zur Tür, um zu kontrollieren, ob draußen mein braver Hund, dem der Eintritt versagt ist, sich auch nicht mit anderen braven Hunden beißt. Diesmal erhielt ich die Wurst für ihn und mich sofort, und kein anderer Hund war da, sich mit ihm zu beißen. Das kam, weil Tony die Prinzessin heiratete.

Sitze ich sonst in meinem Kontor, komme ich nicht zur Arbeit, weil viel zu viele Leute mit mir telephonieren. Diesmal, vom Zahnarzt ins Büro heimgekehrt, hat kein Mensch mit mir geredet, weder persönlich noch per Draht. Das kam, weil Hochzeit an der Themse war.

Plötzlich fiel mir ein, daß man die Hochzeiten feiern soll, wie sie fallen. Und ich bin wieder durch die Stadt gefahren, aber nicht bloß die kurze Strecke bis zum Zahnarzt und zum Metzgermeister, sondern kreuz und quer durch die ganze Metropole. Es war herrlich, wie vor der Währungsreform: Nur wenige Autos waren unterwegs, nur wenige Schutzleute; ich fuhr viermal im Rundverkehr um einen sonst stets überfüllten Platz, als sei ich in einer Zirkusarena, und niemand tippte sich an die Stirn, um mir den Vogel zu zeigen. Das kam, weil im Westminster die Orgel spielte.

Wenn ich einmal eine elektronische Rechenmaschine treffe, dann frag ich sie mal, wieviel Schaden allein in der Stadt Hamburg dadurch entstand, daß Prinzessin Margaret sich in eine Frau Armstrong-Jones verwandelte. Ich glaube, der Schaden ist nicht gering. Denn die Westminster-Orgel spielte in jeder Kneipe zu Hamburg an der Elbe, in jedem Haus; und alle Fernsehapparate standen unter Dampf, und davor saßen die Menschen und, anstatt zu arbeiten, sagten sie: „Sü..ü..ü..ß!“

Wenn ich allein schon das Geld hatte, das die Kartoffeln wert waren, bevor sie anbrannten, weil die Prinzessin Hochzeit machte...!