Die Zellstofffabrik Waldhof, gehört zu den Unternehmen, die nicht gerade auf der Sonnenseite des Integrationsgeschehens stehen. Als sie vor langen Jahrzehnten gegründet wurde, besaß sie im deutschen Wald eine günstige Rohstoffbasis. Heute ist das anders geworden. Die Konkurrenz in den nordischen Ländern hat es, wenigstens vorläufig noch, weit besser. Sie vermag das Holz billig einzukaufen. Will man aber den deutschen Wald nicht verkümmern lassen, eine Forderung, die keineswegs allein auf romantische Vorstellungen zurückgeht, dann muß man nach Ansicht der deutschen Zellstoffindustrie ihr einen gewissen Schutz geben. Die deutsche Zollpolitik war bisher darauf ausgerichtet. In der EWG geschieht das nicht im gleichen Maße. Bei ihr besteht im großen und ganzen der Grundsatz, Rohstoffeinfuhren möglichst nicht zu belasten. Für Zellstoff hat dies seine zwei Seiten. In Frankreich, wo man heute die Aufforstung betreibt, weiß man zwar nichts von einem hohen Zellstoffzoll, denkt jedoch an eine Besteuerung des Papiers, einerlei, ob es im Lande hergestellt oder importiert wird, um mit den Steuererlösen Waldwirtschaft und Zellstoffindustrie zu stützen.

Die Dinge sind also sehr im Fluß. Zwei Dinge sind für Waldhof vor allem notwendig, und zwar einmal Rationalisierung und zum anderen die Ausweitung des Fabrikationsprogrammes. Bei Kosteneinsparungen ist schon eine Menge geschehen. 1957 und 1958 wurde die Zahl der Angestellten um mehr als 250 vermindert. Dadurch werden jetzt Jahr für Jahr 3 Mill. DM und mehr eingespart. Die Ausweitung des Fabrikationsprogrammes bedeutet nichts anderes, als das Eindringen in die Weiterverarbeitung. Dabei dürfen die Kreise der eigenen Kundschaft nicht gestört werden. Zwei Gebiete erwiesen sich für Zellstoff als offen: die Produktion von Faltkisten, also von modernen Verpackungsmaterialien und die Fertigung hygienischer Papierwaren, angefangen vom Handtuchkrepp bis zur Zellstoffwatte.

Diese Geschäftspolitik hat sich als richtig erwiesen. Das relativ günstige Ergebnis des Jahres 1959 geht so auf den wachsenden Anteil der zweiten und dritten Stufe, nämlich Papierfabrikation und Papiererzeugnisse, zurück.

Die Umstellung des Unternehmens auf neue Erfordernisse und seine Modernisierung verlangte naturgemäß erhebliche Investitionen. Seit der Währungsreform betrugen diese rd. eine Viertelmilliarde DM. 1959 waren es 34 Mill. DM, die vornehmlich durch Selbstfinanzierung, zum Teil aber auch durch die Aufnahme von Darlehen hereinkamen. Für das laufende Jahr rechnet man mit etwa gleichen Beträgen. An eine Kapitalerhöhung denkt man dabei nicht. Die Finanzstruktur des Unternehmens ist nach wie vor in Ordnung.

Das Geschäftsjahr 1959 war im ganzen recht zufriedenstellend. Umsatz und Produktion haben sich erhöht. Der Verwaltung ist es daher möglich, der Hauptversammlung eine von 7 auf 8 v. H. erhöhte Dividende vorzuschlagen. Das laufende Geschäftsjahr läßt sich ebenfalls gut an, doch bringt es neue Belastungen von der Rohstoffseite her. W. R.