FÜR jeden, der den „Literaturteil“ einer Zeitung liest:

„Unsterblicher Genius – Deutsche Dichter im Gedenken ihrer Freunde“, herausgegeben von Paul Schneider; Hartfrid Voss Verlag, Ebenhausen bei München; 416 S., 14,80 DM

ES ENTHÄLT genau das, was der Titel angibt (und wer sagt da, das müsse so sein?) – Gedenkreden oder -aufsätze: von Herder über Lessing, von Jean Paul über Herder, von Börne über Jean Paul und von vielen anderen (wie Romain Rolland, Gottfried Benn, Max Rychner, Thomas Mann) über viele andere, verstorbene deutsche Dichter nämlich (das fängt mit Lessing an und hört auf mit Brecht).

ES GEFÄLLT als wieder einmal ein neuer, wieder einmal ein schöner Einfall des rührigen Ebenhausener Verlages (dem wir beispielsweise auch den interessantesten deutschen Literatur-Kalender verdanken). Wer sehr belesen ist, findet kaum unbekannte Texte; aber ein ihm bis dahin unbekanntes Erlebnis teilt er mit den gleich uns nur durchschnittlich Belesenen: Daß sie nun alle gar so bedeutend und gar so bewundernswert sein sollen, wenn sie erst einmal tot sind, fordert ja den oft zum Widerspruch heraus, der (mit Recht!) findet, daß die Lebenden leiden unter solcher Art der Literaturbetrachtung – hier jedoch, wo es sich ausdrücklich um „Gedenken“, oft zum Beispiel um Grabreden und Nachrufe handelt, wirkt diese Art der Betrachtung ganz natürlich und unendlich beruhigend.

-a.f.