Vor einiger Zeit sind wieder Tausende junger Menschen in ein handwerkliches Lehrverhältnis eingetreten. „Lehrverhältnis“ bedeutet, daß zwischen dem Lehrherrn einerseits und dem Lehrling bzw. dessen gesetzlichem Vertreter andererseits ein Lehrvertrag abzuschließen ist. Es ist also nicht dem Belieben des Handwerksmeisters überlassen, dies zu tun; er kann sogar – wenn er nicht binnen vier Wochen nach Beginn des Lehrverhältnisses den Lehrvertrag abschließt – dazu gezwungen und mit einer Geldstrafe belegt werden. Durch ein Urteil des Bundesarbeitsgerichtes ist festgestellt worden, daß beide Elternteile den Lehrvertrag unterschreiben müssen. (Für „Meistersöhne“ wird insofern eine Ausnahme gemacht, als es genügt, wenn der Vater eine Lehranzeige an die Handwerkskammer übersendet.)

Die Lehrzeit ist für die meisten Handwerksberufe mit drei Jahren festgesetzt. Sie soll der Regel nach drei Jahre, nicht aber mehr als vier Jahre betragen.

Werden durch Krankheit oder durch andere triftige Gründe Lehrzeiten versäumt, dann kann dies durch eine Verlängerung des Lehrvertrages nachgeholt werden. Andererseits kann aber auch eine Verkürzung der vertraglich festgelegten Lehrzeit erfolgen. Entweder wird die Verkürzung bei Abschluß des Lehrvertrages oder während der Dauer des Lehrverhältnisses vereinbart. In beiden Fällen bedarf es der Genehmigung der Handwerkskammer.

Die Lehrzeit beginnt mit einer Probezeit, die mindestens einen Monat beträgt, aber nicht mehr als drei Monate betragen darf. Innerhalb dieser Zeit kann jeder Teil das Lehrverhältnis fristlos auflösen. Nach der Probezeit dürfen die Parteien das Lehrverhältnis beim Vorhandensein wichtiger Gründe fristlos kündigen.

Als „wichtige“ Gründe kann der Lehrherr die folgenden betrachten: Verletzung der Gehorsams-, Treue- und Arbeitspflicht durch den Lehrling, seine Unpünktlichkeit, das wiederholte Fortbleiben vom Betrieb, Schwarzarbeit, Vernachlässigung des Schulbesuches, mangelhafte Berufsschulleistung, Nichtablegen einer Zwischenprüfung, Verweigerung der Führung des Werkstattwochenbuchs, längere Krankheit, Verlegung des Betriebs, Konkurs des Betriebs, Tod des Lehrherrn (Kündigung durch Erben), eigenmächtiger Urlaubsantritt usw.

Der Lehrling kann in folgenden Fällen „wichtige“ Gründe annehmen: mangelhafte Ausbildung, fortgesetzte Beschäftigung mit untergeordneten Arbeiten, mangelnde Bezahlung der Erziehungsbeihilfe, Unterlassung der Überwachung des Lehrverhältnisses, Heranziehung zu Arbeiten, die der Arbeitskraft nicht angemessen sind oder die Gesundheit schädigen, schwere Züchtigungen, Abhalten vom Berufsschulunterricht oder von den Zwischenprüfungen, das Fehlen einer anleitungsberechtigten Person, Außerachtlassen der Unfallverhütungsvorschriften, ein die Sittlichkeit verletzendes Verhalten des Lehrherrn oder dessen Tod.

Wer die Auflösung des Lehrverhältnisses verschuldet, der muß dem anderen Vertragspartner eine im Lehrvertrag der Höhe nach festgesetzte Entschädigung zahlen.

Es kann auch vorkommen, daß der Lehrling erst nach Ablauf der Probezeit seine Neigung zu einem anderen Handwerksberuf entdeckt. In solchen Fällen kann der Lehrvertrag durch Abgabe einer Erklärung des gesetzlichen Vertreters vorzeitig gelöst werden. Um die Unsitte des „Abwerbens“ zu verhindern, darf der Lehrling innerhalb eines Zeitraums von drei Monaten nicht in einem gleichen Handwerksbetrieb von einem anderen Handwerksmeister beschäftigt werden. Schw.