h. e., Lübeck

In Lübeck gab es Theater um eine Theaterreise. Das Ensemble der Lübecker Oper sollte am 26. Mai mit „Fidelio“ in Erwiderung eines Besuchs des Mecklenburgischen Staatstheaters in Schwerin gastieren. Eier, Lübecker, Senat hatte schon vor Monaten den Austauschplänen zugestimmt. Auch das Gesamtdeutsche Ministerium hatte einen Zuschuß von 8200 DM gegeben, und die Kultussenatorin Frau Dr. Luise Klinsmann hatte erklärt (mit Billigung des Senats), sie werde das Ensemble begleiten.

Die Senatorin hatte ihre Reisepläne jedoch ohne die Verbände der Heimatvertriebenen gemacht. Sie nämlich formierten sich zum Sturmlauf gegen den Senatsbeschluß, vor allem aber zogen sie gegen Frau Dr. Klinsmann zu Felde.

Dr. Heinz Kiekebusch, Landesvorsitzender der vereinigten Landsmannschaften Mitteldeutschlands, „mißbilligte aufs Schärfste“ die Reise der Lübecker Senatorin, denn „die täglich neu in die Bundesrepublik flüchtenden Deutschen können kein Verständnis dafür aufbringen, daß eine Senatorin bereit ist, sich mit den Quislingen einer fremden Kolonialmacht, die unserem Volk seine Wiedervereinigung in Freiheit vorenthält, an einen Tisch zu setzen“.

Nicht ganz so heftig attackierten die „Lübecker Nachrichten“ die Senatorin: „Ein Lübecker Senator im SED-Kulturhaus von Schwerin mit Blumensträußen, Trinksprüchen und Beglückwünschungen: das wäre eine Sache, die uns allen schwer auf der Seele läge, und ein unvorstellbarer Gedanke“.

Frau Dr. Klinsmann entgegnete indessen auf alle Beschwörungen, wenn der Intendant, der Generalmusikdirektor und der Verwaltungsdirektor des Theaters an dem Gastspiel teilnähmen, dann stehe ihr das gleiche Recht zu, denn auch sie sei städtische Beamtin.

Im Kieler Landeshaus freilich sah man die Stehe anders. Innenminister Dr. Lemke las dem Senat fernschriftlich die Leviten: „Die Landesregierung vermag es nicht zu billigen, daß insbesondere zu einem Zeitpunkt, zu dem die Machthaber der Zone im Begriff sind, die letzten Reste privater Rechte unserer deutschen Mitbürger brutal zu unterdrücken, ein Mitglied des Senats ein städtisches Theater begleitet und damit den Behörden eines solchen Regimes gegenübertritt.“