Vom Jahresanfang bis zum Ende der ersten Maiwoche des Jahres haben die Währungsreserven der Deutschen Bundesbank um gut zwei Milliarden DM zugenommen. Das ist etwa der gleiche Betrag, um den sie sich 1959 vermindert, hatten. Nach wie vor ist die Quelle des Devisenzuflusses der Warenhandel. Sein Saldo hat sich ab 1951 – als erstmals in der Nachkriegszeit ein Überschuß von 1,5 Mrd. DM erzielt wurde – mit Ausnahme von 1955 jedes Jahr erhöht, und zwar bis auf 7,7 Mrd. DM im Jahre 1959.

Nun bezweifelt niemand, daß für die Bundesrepublik als einem reifen Industrieland eine aktive Warenhandelsbilanz normal ist. Die Frage ist nur, ob der gegenwärtige Überschuß nicht zu groß ist. Darauf kann man nur aus den übrigen Posten der Zahlungsbilanz eine Antwort erhalten.

Werfen wir zunächst einen Blick auf die Dienstleistungen. Die Einnahmen und Ausgaben haben sich hier in den letzten Jahren fast ausgeglichen. Das aber war nur dank der Ausgaben der im Bundesgebiet stationierten fremden Truppen möglich. Die entsprechenden Beträge haben sich in den letzten Jahren laufend, und zwar von 1,7 Mrd. DM im Jahr 1956 bis auf 4,1 Mrd. DM im vergangenen Jahr, erhöht. Die Bundesrepublik ist allmählich in die ihr gestellte Verteidigungsaufgabe hineingewachsen. Sie nimmt daher den fremden Truppen nicht mehr im bisherigen Umfange DM-Ausgaben ab, sondern benötigt das Geld für die eigenen Streitkräfte. Der 1959 erreichte Betrag von 4,1 Mrd. DM an Ausgaben fremder Truppen dürfte allerdings nicht mehr wachsen. Er bildet den einzigen Aktivposten in der Dienstleistungsbilanz und ist politisch bedingt.

Im kommerziellen Dienstleistungsverkehr besteht dagegen ein Defizit; es betrug im abgelaufenen Jahr 4,6 Mrd. DM. Dieser Fehlbetrag zeigt eine gewisse Tendenz zur Ausweitung, vor allem infolge des Arbeitskräftemangels. Er erfordert in zunehmendem Maße, daß die Dienste des Auslandes in Anspruch genommen werden – so z. B. für Erholungsreisen, die allein im vergangenen Jahr 4,5 Mrd. DM beanspruchten.

Nun sind politisch bedingte Einnahmen außerordentliche Erträge. Sie können ihrem Charakter nach nur für entsprechende Ausgaben – so z. B. für politische Zwecke –, weiter für Schuldentilgung oder Regeneration des Auslandsvermögens u. ä. Verwendung finden, dürfen aber auf die Dauer nicht zur Finanzierung der laufenden Bedürfnisse dienen. Über Nacht kann nämlich dieser Posten verschwinden – ohne daß es deswegen zu einem spürbaren Einfuhrrückgang kommen dürfte. Genußgüter, Treibstoffe usw. führen nämlich heute die Truppen auf eigene Rechnung ein. Was sie beanspruchen, sind vornehmlich echte inländische Leistungen der Bundesrepublik.

Bedeutsame politische Ausgaben sind vor allem die „unentgeltlichen Leistungen“; sie sind in den letzten Jahren ständig angewachsen. Der Höhepunkt ist hier noch nicht erreicht. Im vergangenen Jahr betrugen sie 2,6 Mrd. DM. Auf das Israel-Abkommen fielen dabei 240 Mill. DM, auf sonstige Wiedergutmachungsleistungen 1,3 Mrd. DM. Weitere Posten waren 1959 Leistungen im Zusammenhang mit der Rückgliederung der Saar, für den EWG-Entwicklungsfonds usw.

Rechnet man für 1959 alle diese Posten zusammen, dann verbleiben als echter Aktivsaldo noch 4,6 Mrd. DM. Das ist der Betrag, der für unsere Kapitalleistungen, für die Regeneration des Auslandsvermögens, Entwicklungshilfe u. ä. zur Verfügung stand. Per Saldo betrugen die langfristigen Kapitalleistungen der Privatwirtschaft und der öffentlichen Hand 3,7 Mrd. DM. Hinzu traten die kurzfristigen Kapitalleistungen mit 2,4 Mrd. DM. Es blieben also 1,5 Mrd. DM übrig, die aus den Währungsreserven entnommen werden mußten; das hat zu ihrer Reduzierung wesentlich beigetragen.

W. R.