Wie auch private Unternehmer zur industriellen Erschließung ländlicher Gebiete beitragen können, hat am Beispiel der Eifel kürzlich die „Romika Lemm & Co. GmbH.“ mit der Eröffnung eines neuen Werkes in Daun demonstriert. Die Hilfe, welche die Romika für ihre „Eröffnung auf dem Lande“ erhält, beschränkt sich auf Kredite des Landes Rheinland-Pfalz und der Arbeitsverwaltung, die jedoch nur einem Teil der in Daun investierten Mittel entsprechen.

Für den Chef der Romika-Werke, H. Lemm, bedeutet das neue Werk in Daun, in dem am Anfang 600 bis 800 Personen beschäftigt werden sollen, kein Experiment. Die Firma hat während der 25 Jahre ihres Bestehens in Gusterath-Tal, im Ruwerhochwald, schon einmal ein ähnliches Experiment durchgeführt, das die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse in diesem Notstandsgebiet verändert hat.

Im Stammwerk werden gegenwärtig 2 850 Personen beschäftigt, davon 2 088 Frauen. Von diesen beinahe 3 000 in Gusterath-Tal beschäftigten Menschen müssen mehr als 800 mit Omnibussen vom Wohnort zum Betrieb befördert werden. Das Werk gibt für die Miete der Omnibusse jährlich 400 000 DM aus, um die benötigten 23 Omnibuslinien betreiben zu können. Die Belegschaft kommt aus 257 Ortschaften. In diese Ortschaften floß 1959 insgesamt eine Summe von 11 056 000 DM an Löhnen und Gehältern (eine dieser Gemeinden empfing bereits im Jahre 1956 pro Kopf 1 974 DM). Dazu kamen weitere rund 4,4 Mill. DM für Leistungen und Lieferungen der verschiedensten Art, und von 1957 bis 1958 über 1 700 000 DM Gewerbesteuern.

Es kommt also nicht von ungefähr, daß es in diesem Gebiet heute noch knapp 1,5 km nicht asphaltierte Straßen gibt – während vor knapp zehn Jahren in den gleichen Gemeinden lediglich eine Strecke von 1,5 km asphaltiert war. Komfortable Lehrerwohnungen, moderne Schulhäuser mit Gemeindesaal, gemeindeeigene Kühl- und Waschanlagen, Kanalisationen und gemeindeeigene landwirtschaftliche Maschinen kennzeichnen den Wohlstand, der um so deutlicher ist, je näher sich die Gemeinde beim Stammwerk befindet.

Diese Entwicklung war nur deshalb möglich, weil die Löhne bei der Romika infolge einer Leistungsprämie etwa um 30 v. H. über den tariflich verankerten Sätzen liegen. Das beweist im übrigen, wie irrig die Annahme ist, eine der Voraussetzungen für den Erfolg der Industrie auf dem Lande seien die „niedrigen Löhne“. Gegenüber dem Tarifstand von 1949 erhöhten sich die Löhne der Männer um 103,8 v. H., die der Frauen um 130 v. H. Die Spitzenlöhne der Frauen betragen gegenwärtig 430 bis 440 DM, die der Männer 520 DM (4 v. H. der Belegschaft sind weniger als siebzehn Jahre alt). In diesen Ziffern sind die Zahlungen für Überstunden nicht enthalten. Hinzu kommt außerdem noch eine Jahresprämie, die im Durchschnitt 5 v. H. und bei den Stammarbeitern bis zu 10 v. H. der Lohnsumme pro Jahr beträgt. Trotz dieser Lohnerhöhungen und trotz der Rohstoff-Preissteigerungen konnten die Lieferpreise in den letzten fünf Jahren durch Rationalisierungsmaßnahmen auf dem gleichen Niveau gehalten werden.

Anton Ludolph