In unserem Gespräch, das wir, verehrte Leser, am 30. Oktober 1959 miteinander geführt haben, unterhielten wir uns über die kleingestückelten Schuldscheine, die von der Turol Kraftstoff-, Vertriebs- und Handels-AG, München, zum Zinssatz von 7 v. H. und zum Ausgabekurs von 98 v. H. angeboten wurden. Das war damals ein verlockendes Angebot, weil zu gleicher Zeit „normale Schuldscheindarlehen“ nur zu 6 1/4 bis 6 1/2 v. H. (Ausgabekurs 98 1/2 v. H.) „im Markt“ waren. In diesen Tagen haben nun die Zeichner der Schuldscheindarlehen das Angebot erhalten, Stamm- oder Vorzugsaktien (mit 7 prozentiger Dividendengarantie) zu zeichnen. Verschiedene Leser haben mich gefragt, ob es zweckmäßig sein kann, von dieser Offerte Gebrauch zu machen. Sie werden verstehen, wenn ich hier nicht mit einem eindeutigen Ja oder Nein antworten kann. Ich sehe es nicht als meine Aufgabe an, detaillierte Anlagehinweise zu geben. Auch in diesem Falle werde ich mich darauf beschränken, die Problematik bei den Turol-Aktien aufzuzeigen.

Was ist und was will die Turol AG? Nach ihren nicht sehr aufschlußreichen Angaben, die sie im Zeichnungsangebot macht (dem im übrigen keine Bilanz beiliegt), verfügt die Gesellschaft über ein eigenes Lager und hat die Möglichkeit zur Anpachtung weiterer Lager. „Es wurde dafür Sorge getragen, daß die regelmäßige Belieferung mit erstklassigen Treibstoffen und Ölen gewährleistet ist. Die Turol AG hat bereits eine Reihe von Tankstellen-Plätzen, sowohl eigene wie auch solche mit 25–30jährigen Pachtverträgen, unter Eintragung von Grunddienstbarkeiten und Vorkaufsrechten. Der Bau der Anlagen erfolgt schwerpunktmäßig in bestimmten Gebieten. Ganz besonders wird der Bau von kleineren Tankstellen auf dem Land vorangetrieben (1960 geplant 300), ohne jedoch Großanlagen in dichtbesiedelten Gebieten außer acht zu lassen. Die Gesellschaft steht in konkreten Verhandlungen über die Einräumung einer Option auf 15 Jahre zum Bezug von Rohöl zu äußerst günstigen Bedingungen. Nach erfolgtem Ausbau der Turol-Organisation ist somit deren Unabhängigkeit gegeben. Um die finanzielle Durchführung des Turol-Programms reibungslos sicherzustellen, ist weiterhin die Gründung einer kapitalstarken Holding AG als Muttergesellschaft in der Schweiz vorgesehen.“ – Soweit aus dem Zeichnungsangebot.

Sie werden mit mir übereinstimmen, verehrte Leser, daß man daraus nicht sonderlich viel entnehmen kann. Immerhin ist der Mut der Gründer der Turol AG zu bewundern. Der Treibstoffmarkt ist hart umkämpft. Deshalb gehört schon einiges dazu, den Wettbewerb mit den großen Konzernen aufzunehmen. Der Kampf der „freien Tankstellen“ hat gezeigt, daß zwar durchaus Chancen vorhanden sind; aber man muß sich darüber im klaren sein, daß der Wettbewerb gerade im bayerischen Raum in den nächsten Jahren zunehmend härter werden wird, besonders dann, wenn die am Endpunkt der vom Mittelmeer her kommenden (geplanten) Pipe-Line in Aussicht genommenen Raffinerien ihre Tätigkeit aufnehmen. Wer Aktionär werden will, muß deshalb wissen, daß er damit das volle Gründer-Risiko übernimmt.

Dieses Risiko scheint mir deshalb recht bedeutungsvoll, weil die Turol AG den Aufbau durchführen will oder muß, ohne sich auf eine deutsche Bank oder Bankengruppe stützen zu können, die gewissermaßen als eine Art Treuhänderin gegenüber den Minderheiten-Aktionären fungieren könnte. Der Gegenwert der Aktien ist deshalb auch auf ein Sonderkonto der Turol AG bei einem Münchener Notariat einzuzahlen. (Die Stückelung bei den Stamm- und Vorzugsaktien geht bis zu 1000 DM herunter, der Ausgabekurs beträgt 110 v. H.). Dem Briefkopf der Turol AG sind zwei Bankverbindungen zu entnehmen:

1. Bankhaus Otto Dierks & Co., München,

2. Dresdner Bank, Depositenkasse München-Pasing. Aber daraus lassen sich kaum Schlüsse ziehen.

Übrigens soll die Zulassung der Stamm- und Vorzugsaktien zum Handel und zur Notiz an den Wertpapierbörsen in Düsseldorf/München sowie an einer Schweizer Wertpapierbörse zur gegebenen Zeit beantragt werden. Dann wird die Gesellschaft allerdings ihre Karten auf den Tisch legen und das an Publizität nachholen müssen, was sie im Zeichnungsangebot versäumt.