Manifestation der Macht und des Mutes in Breslau und Nowa Huta

Von Eka v. Merveldt

Breslau, im Mai

Der „Tag der XV. Wiederkehr der Befreiung“, der am 7. und 8. Mai gefeiert wurde, bot den Anlaß, nach Breslau zu fahren, wo im Stadion vehemente Ovationen dem Staatschef Gomulka dargebracht wurden. Er blickte von hohem Podium aus, umgeben von 80 Würdenträgern der Regierung und der Partei, auf die Fahnenjungfrauen herab, die in knappem, rotem Dreß auf dem Beisitz von Motorrädern standen – ein Bein kokett über die Schulter des Fahrers gelegt – und jetzt in das Stadion brausten: perfekte glamour girls. Danach marschierten Mädchen mit Fahnen in die Arena, Mädchen mit den Zahlen X und V (gleich XV), Mädchen mit Ballons in den Händen. Warum hier nur der Luftballon das Symbol des prallen Optimismus sein mag? Er platzt so leicht.

Die flammenden Worte Gomulkas noch im Ohr, bin ich dann tagelang durch Breslau gepilgert, durch die alte Hauptstadt Schlesiens, die zu drei Vierteln zerstört war. Große Teile der Stadt sind wiederaufgebaut worden. Der Dom, das Rathaus, der Marktplatz, die Häuser der Schweidnitzer Straße wurden mit großer Sorgfalt restauriert. Archäologen graben eifrig, um Spuren polnischer Vergangenheit zu finden: „Denkmäler aus der Zeit der Piasten“. Und sie haben Erfolg, sowohl in Breslau, als auch in ganz Nieder-Schlesien.

Bunte Häuser in Breslau

Auf dem Sonnenplatz in Breslau entstand eine großzügige neue Wohnsiedlung. Nur der südliche Stadtteil, wo noch in den letzten Kriegstagen die eingeschlossene Bevölkerung einen Flugplatz anlegen mußte und wo dann ein einziges Flugzeug startete – der Fieseier Storch, in dem der Gauleiter Hanke floh – ist ein Trümmerfeld geblieben.