Eine neue Technische Universität –Tunnel unter dem Ruhrgebiet – Ein Gespräch mit Ministerpräsident Meyers

Alle Parteien des Landtages von Düsseldorf haben sich für die Errichtung einer zweiten Technischen Hochschule ausgesprochen. Bisher gibt es nur die eine in Aachen. Noch in dieser Legislaturperiode, die in Nordrhein-Westfalen Mitte 1962 endet, soll mit dem Bau begonnen werden. Über diesen Plan und über einen anderen, noch kühneren, mit dem das Verkehrsproblem des Ruhrgebietes gelöst werden soll, unterhielt sich Ministerpräsident Meyers mit unserem Bonner Korrespondenten.

R. S., Düsseldorf

Vom Dienstsitz des Ministerpräsidenten aus hat man einen weiten Blick über den Rhein. In einer großen Schleife dehnt sich die Wasserstraße, auf der immerfort Güter hergebracht oder weggeführt werden, ein turmhoher Kran ragt auf, dessen unersättlicher Rachen sich ständig öffnet und schließt, und auf der Uferstraße reißt die Kette der Autos nicht ab. Fast bedrückend ist diese Zusammenballung von Menschen und Energien. Unaufhaltsam rollt unten der Verkehr vorüber. Aber man sieht es nur, man hört es nicht. Denn die Fenster sind schalldicht.

„Sie wollen im Ruhrgebiet eine Hochschule besonderer Art gründen, Herr Ministerpräsident?“ frage ich.

„Wir denken an einen besonderen Hochschultypus, wie ihn dieses Industriegebiet braucht; an eine Technische Universität, aber mit einer breiten Grundlage geisteswissenschaftlicher Disziplinen. Wissenschaftler und Beamte der Ministerien untersuchen noch, wie sich unsere Vorstellungen am besten verwirklichen lassen.“

„Welche geisteswissenschaftlichen Fächer sollen neben den naturwissenschaftlichen gelehrt werden? Philosophie? Soziologie?“