In der Bundeswehr schickt sich eine neue Generation an, die Führungspositionen zu besetzen. Es sind jene Offiziere, die das Kriegsende vor fünfzehn Jahren als junge Oberstleutnante und Oberste erlebten und sich in den letzten Jahren beim Aufbau der Bundeswehr ihre Sporen verdienten. Einige wichtige Umbesetzungen in der Bonner Ermekeilkaserne ließen diese Entwicklung jüngst deutlich werden.

Das Interesse der Öffentlichkeit konzentriert sich dabei auf vier Persönlichkeiten. Da ist einmal der Brigadegeneral Albert Schnez, dessen Name bisher eigentlich nur einmal und ganz entgegen seinem Wunsch in den Zeitungsspalten erschien: Er hatte Anfang des Jahres den Auftrag, in Spanien die Möglichkeiten zur Anlage von Depots und Übungsplätzen für die Bundeswehr zu erkunden. Dieser politisch so delikate und folgenschwere Auftrag fiel nun einmal in seinen Aufgabenbereich, weil er als Leiter der Unterabteilung „Logistik“ – des Nachschub- und Transportwesens – im Bundeswehr-Führungsstab war.

Der 48jährige, etwas untersetzte General ist inzwischen Chef des Stabes im Führungsstab geworden und damit rechte Hand des Generalinspekteurs Heusinger. Bei ihm laufen in der Praxis alle Fäden der nationalen Führung der Bundeswehr zusammen, denn mit Hilfe dieses Führungsstabes übt Verteidigungsminister Strauß seinen Oberbefehl über die Streitkräfte aus.

Es kennzeichnet die Situation der Bundeswehr, daß heute ein „Logistiker“ an dieser wichtigen Schaltstelle sitzt. Bisher war es beinahe Tradition, daß der Chef des Stabes aus der Operationsabteilung hervorging. Strategie und operative Führung im Verteidigungsfall liegen jedoch heute beim NATO-Oberkommando in Paris und bei der Standing Group in Washington. In nationaler Verantwortung verblieben vor allem Nachschub und Ausbildung.

Diese Tatsache setzt gewichtige Akzente für die Arbeit der Bundeswehrführung nach der jetzt abgeschlossenen Ausrüstungsphase. Der nunmehr notwendige Ausbau und die Anpassung an die technische Entwicklung sind die Feuerprobe für einen „Logistiker“ wie Schnez, der sich in seiner militärischen Laufbahn fast immer mit Nachschubproblemen herumgeschlagen und nach dem Kriege in der Industrie Bekanntschaft mit den dabei oft notwendigen robusten Managerpraktiken gemacht hat. Soweit ist seine Ernennung eine glückliche Wahl, aber – als reiner Generalstäbler hat Schnez nur wenig Truppenerfahrung, genau wie sein Vorgesetzter Heusinger.

Vorgänger von Schnez war sein Jahrgangskamerad Generalmajor Werner Panitzki, dessen Ablösung vielfach als ein „In-die-Wüste-Schicken“ empfunden wurde. Doch es erscheintglaubhaft, der Luftwaffengeneral, der bereits Leiter der Luftwaffenabteilung bei Blank war, dann Stabschef bei Kammhuber und schließlich bei Heusinger, vorläufig von der organisatorischen Schreibtischarbeit genug hat und sich ein Truppenkommando wünschte. Für den Kampfflieger des zweiten Weltkrieges, der in seiner Erscheinung ein wenig an Curd Jürgens in „Des Teufels General“ erinnert, kann das Kommando einer der vier deutschen Luftverteidigungsdivisionen zum Sprungbrett werden: auf den Posten des Inspekteurs der Luftwaffe. Immerhin ist sein Vorgesetzter, Generalleutnant Kammhuber, heute 64 Jahre alt.

Nach dem Heer, wo als Nachfolger des verstorbenen Generalleutnants Hans Röttiger mit Alfred Zerbel bereits ein Nachkriegsgeneral an der Spitze steht, zeichnet sich damit auch bei der Luftwaffe eine Verjüngung ab.