Die letzten Wochen an der Londoner Börse waren wenig angetan, Käufer zu ermutigen. Man gewann den Eindruck, daß viele Anleger, die auf Grund des konservativen Wahlsieges Aktien zu höheren Preisen gekauft hatten, jetzt ungeduldig geworden sind. Die Gesellschaften betreiben eine vorsichtige Dividendenpolitik, weil sie fürchten, daß ihre großen Gewinne von der Regierung beschnitten werden. Obwohl die Kreditrestriktionen der englischen Regierung nicht . die erwartete „Schärfe“ enthielten, verhalten sich viele Anleger passiv. Denn, wie Schatzkanzler Mr. Heathcoat Amory erklärte, kann mit weiteren schärferen Maßnahmen gerechnet werden, falls die von der Regierung getroffenen Entscheidungen nicht den erwarteten Erfolg bringen sollten.

Die Börse wurde somit ein Markt der „Bears und Bulls“. Trotz kleinerer Kauforder von Instituten überwogen die Verkäufe. Die Kurse erreichten schließlich einen Punkt, an dem Verkäufe nicht mehr attraktiv erschienen. Man wartet nun auf den „Funken“, der eine Aufwärtsbewegung auslösen soll.

Seit einigen Tagen scheint der Markt sich wieder zu beleben. Professor Morgans Bericht, der von Brokern zu Kundenberatungszwecken benutzt und in dem festgestellt wurde, daß der jetzige Augenblick der günstigste sei, um Käufe auf längere Sicht zu tätigen, regte das Publikum genauso an wie das Wiedererscheinen von Instituten auf dem Käufermarkt, was man als Zeichen der Wiederbelebung wertete.

Man ist zwar geneigt, die gegenwärtigen Kurse vieler Werte als zum Kaufen günstig anzusehen; die Rückkehr breiter Käuferschichten dürfte aber noch solange auf sich warten lassen, bis die wirtschaftlichen Aussichten sich klarer abzeichnen und die Zukunft wieder eine Schätzung der Expansionsziele zuläßt. D. Sch.

Die Christian Dierig AG., Augsburg, schlägt der am 30. Mai 1960 stattfindenden Hauptversammlung die Verteilung einer Dividende von 10 (8) v. H. auf das Aktienkapital von 40 Mill. DM vor.