Sowjetisches „Weltraumschiff“ kreist um die Erde

Seit einigen Tagen kreist in einer hermetisch abgeschlossenen Druckluftkabine eine Astronautenpuppe um unseren Planeten. Die Sowjets erhoffen sich von diesem Experiment wertvolle Informationen für den sicheren Flug des Menschen in den Kosmos.

Der Start des „Weltraumschiffs“ zeigt aber zugleich das perfekte Zusammenspiel zwischen Politik und Technik. Wie damals der Mondschuß termingerecht zu Chruschtschows Besuch in den USA kam, so war jetzt der Flug des künstlichen Weltraumfahrers ein propagandistischer Auftakt zur Reise des Sowjetführers nach Paris.

Der Flug des Weltraumschiffes fand freilich nicht die Aufmerksamkeit, die ihm eigentlich gebührt hätte. Die Sowjet-Propagandisten fanden es für noch wichtiger, den Abschuß des amerikanischen Luftspions Powers hochzuspielen. So kommt es, daß die rote Modellpuppe in ihrem Raumschiff nicht allzusehr beachtet wurde.

Dabei schon stellt das Raumschiff mit seinem ungeheuren Gewicht von 4,54 Tonnen (ohne die letzte Raketenstufe) und seinen 1477 Kilogramm Instrumenten-Nutzlast alles in den Schatten, was bisher zwischen Erde und Himmel kreiste. Der Beweis ist erbracht, daß es heute schon möglich ist – und nicht erst im Jahre 1970, wie man bisher glaubte – einen über 90 Zentner schweren Satelliten mit all den Instrumenten und Ausrüstungen in den Weltraum zu schießen, einen Satelliten, der einer Weltraumbesatzung von zwei Mann Raum bietet.

Wann folgt der Mensch?

Die Weltraumpuppe ist selbstverständlich nicht einfach nur eine Schaufensterpuppe. Sie ist vielmehr ein Roboter, der Funktionen ausübt, die seine menschlichen Nachfolger später einmal ausführen müssen. Statt der menschlichen Augen hat dieser Roboter Fernsehaugen. Das Fühlen, jener zweite menschliche Sinn, der neben dem Sehempfinden in einem Raumfahrzeug noch funktioniert, ersetzt der Roboter durch sogenannte „Servomotore“. Der Roboter bedient damit die Steuerungsmechanismen.