Auf dem Felde der Chemiefaser hat die Vereinigte Glanzstoff-Fabriken AG, Wuppertal-Elberfeld, schon manche Schlacht geschlagen, aber was Glanzstoff im vergangenen Jahr erreicht hat, stellt alle bisherigen Erfolge weit in den Schatten. 1959 haben die Glanzstoff-Erzeugnisse dem Unternehmen Zuwachsraten gesichert, die nicht nur im Vergleich zu früheren, ebenfalls schon recht eindrucksvollen Steigerungssätzen einmalig dastehen, sondern die auch weit über den Durchschnitt der Branche hinausragen. Der Wertumsatz der drei Glanzstoffwerke Oberbruch bei Aachen, Obernburg und Kelsterbach am Main hat sich um nicht weniger als 26 v. H. auf 493,9 (391) Mill. DM erhöht. Auch das Auslandsgeschäft konnte ganz ansehnlich auf 77 (68,5) Mill. DM ausgeweitet werden.

Der bemerkenswerte Zuwachs des Wertumsatzes – der noch um 1 v. H. über die Versandmengensteigerung hinausgeht – ist das Ergebnis einer außerordentlich regen Nachfrage nach allen Glanzstoff-Erzeugnissen, von denen aber die Synthetika Perlon, Diolen und Kordnylon die unbestrittenen Favoriten waren. Sie haben im vergangenen Geschäftsjahr zum ersten Male mehr als die Hälfte des Umsatzes gebracht. Damit hat der seit Jahren zu verzeichnende Strukturwandel bei Glanzstoff von den traditionellen Reyon-Erzeugnissen zu den synthetischen Chemiefasern eine bedeutungsvolle Stufe erreicht. Die Verwaltung rechnet weiterhin mit hohen Zuwachsraten der Synthesesparten. Sie hat darauf auch ein neues umfangreiches Investitionsprogramm abgestellt, das dem „nach sorgfältiger Marktanalyse erwarteten Mehrbedarf an Synthese-Erzeugnissen“ Rechnung tragen wird.

Auch im laufenden Jahre, das den drei Glanzstoff-Werken bisher bereits wiederum eine 20prozentige Umsatzzunahme gegenüber 1959 gebracht hat, sind die Produktionskapazitäten – einschließlich der im Berichtsjahre zusätzlich errichteten Anlagen für Synthetika – voll ausgelastet. Es erübrigt sich fast zu betonen, daß auch im vergangenen Geschäftsjahr so viel produziert wurde, wie die Anlagen schaffen konnten. Dabei hat die Produktionskurve des Unternehmens neue Höhen erklommen.

Die Ertragsentwicklung der Glanzstoff-Unternehmen hat im Jahre 1959 mit dem Tempo von Produktion und Umsatz voll Schritt gehalten. In einer Pressekonferenz sprach Vorstandsvorsitzer Dr. Dr. h.c. Ernst Hellmut Vits von einem „überdurchschnittlichen Geschäftsergebnis“. Dr. Vits wies darauf hin, daß über die gestiegene Jahresproduktion hinaus noch Lagerbestände verkauft werden konnten und durch die Vollausnutzung der Kapazitäten sowohl in den Reyon- als auch Synthesesparten Kostendegressionen entstanden sind.

Erfreulicherweise merken hier auch die Aktionäre, daß das Unternehmen ein wirklich gutes Jahr hinter sich hat. Die Verwaltung hat sich – in Übereinstimmung mit dem Großaktionär, der niederländischen Algemene Kunstzijde NV, Amheim – entschlossen, der Hauptversammlung die Aufstockung des Kapitals aus Gesellschaftsmitteln vorzuschlagen. Das bedeutet für die Gesellschaft, daß sie einen Rücklagenbetrag von 22,9 Mill. EM in Kapital „umbuchen“ muß. Das neue Kapital wird dann auf 114,25 Mill. DM gestiegen sein, für die Aktionäre heißt dieser Vorschlag, daß sie Gratisaktien im Verhältnis 4 : 1 erhalten werden. Darüber hinaus sollen die Berichtigungsaktien bereits für 1959 voll dividendenberechtigt sein, so daß die optisch zunächst unveränderte Glanzstcff-Dividende von 13 (13) v. H. doch einen merklichen Sprung nach oben gemacht hat. Effektiv steigt die Dividende damit um nicht weniger als 3,25 auf 16,25 v. H. Diese Verwaltungsvorschläge sind durchaus des überdurchschnittlichen Geschäftsergebnisses würdig. Und deswegen dürfte es den Anteilseignern nicht schwerfallen, sich auch über die beim Unternehmen selbst vorgenommene Substanzbildung zu freuen. Neben dem auf 14,7 (11,7) Mill. DM gestiegenen Dividendenbetrag hat das Ergebnis des Jahres 1959 auch noch ausgereicht, um daraus 8 (3,8) Mill. DM für die Passivierung der LAG-Vermögensabgabe abzuzweigen. Zusammen mit einer Entnahme aus der freien Rücklage in Höhe von 21,12 Mill. DM ist der Gegenwartswert der Lastenausgleichsabgabe mit 32,9 Mill. DM jetzt voll passiviert; die Verwaltung sieht diese Maßnahme als unerläßliche Voraussetzung für die Grundkapital-Korrektur an. Zudem wird aber durch den künftigen Fortfall weiterer Tilgungsbeträge unbestritten auch die Erwirtschaftung der nächsten Dividenden erleichtert.

Wie für die Muttergesellschaft so war das Geschäftsjahr 1959 auch für die gesamte Glanzstoff-Gruppe ein voller Erfolg. Der Konzernumsatz – also einschließlich der Spinnfaser AG, der Glanzstoff-Courtaulds GmbH, der I. P. Bemberg AG, der Kunstseiden AG und der Barmer Maschinenfabrik AG – ist um 18 v.H. auf 791 Mill. DM angestiegen, wobei besonders das notorische Sorgenkind Bemberg wieder erheblich besser abgeschnitten hat. Das Geschäftsergebnis war bei allen Gesellschaften der Gruppe positiv. In die Ertragsrechnung der Mutter ist zum ersten Male seit Jahren wieder ein Gewinn der Bemberg-Tochter in Höhe von 1,1 Mill. DM eingegangen, nachdem im Vorjahr noch ein Verlust von 0,9 Mill. DM übernommen werden mußte. Auch der vereinnahmte Organschaftsgewinn der Kuag ist auf 1,1 (0,1) Mill. DM angestiegen. Insgesamt sind auch im laufenden Jahre nicht nur für Glanzstoff selbst, sondern für die ganze Gruppe die Aussichten außerordentlich günstig. Das Jahr 1960 hat im Glanzstoff-Bereich beste Chancen, seinen außerordentlich erfolgreichen Vorgänger um Längen zu schlagen. Nmn.