Die Stimmung in der Hauptversammlung der Farbenfabriken Bayer AG, Leverkusen, entsprach dem erfolgreichen Geschäftsjahr des Unternehmens: zufriedene Mienen sowohl am Verwaltungstisch als auch im Saale der Aktionäre. Die 16-(14)prozentige Dividende und die jüngste Kapitalerhöhung zu dem – kaum kritisierten – Bezugskurs von 250 v. H. haben allerdings die vertretbaren Wünsche der Anteilseigner auch weitgehend erfüllt. In seinen Ausführungen vor Eintritt in die Tagesordnung hatte Vorstandsvorsitzender Prof. Dr. Ulrich Haberland zu dem gewählten Emissionskurs festgestellt, daß er „einen gesunden Ausgleich zwischen den finanziellen Erfordernissen des Unternehmens und den berechtigten Interessen der Aktionäre“ darstelle. Insbesondere hätten auch die Ratenzahlung des Bezugspreises und die Dividendenberechtigung der jungen Aktien ab 1. Januar allgemein Anerkennung gefunden. Dem Antrag der Verwaltung auf Schaffung neuen genehmigten Kapitals – eine Wiederauffüllung um 65 auf 100 Mill. DM wurde erbeten – wurde von den Aktionären bei nur geringen Gegenstimmen entsprochen.

Ein Vertreter der Schutzvereinigung für privaten Wertpapierbesitz hatte angeregt, die Institution des genehmigten Kapitals nicht zu einer ständigen Einrichtung werden zu lassen, „weil die Rechte der Hauptversammlung dadurch unnötig geschmälert“ würden; auch fehlte es selbstverständlich nicht an dem Appell an die Verwaltung, für die künftige Ausgabe neuer Aktien einen günstigen Bezugskurs schon heute zu garantieren. Die der Verwaltung zur bestmöglichen Verwertung noch zur Verfügung stehenden 9 Mill. DM aus der letzten Kapitalerhöhung sind – wie in der Hauptversammlung erklärt wurde – für die Einführung von Bayer-Aktien an den Börsen von London und Brüssel vorgesehen. Dazu betonte Prof. Haberland, daß insbesondere der Einführung in London auf lange Sicht Bedeutung beizumessen sei. „Für einen solchen Schritt halte ich“, so sa;te er, „den jetzigen Zeitpunkt für besonders geeignet, um damit zu demonstrieren, daß wir sei aller Anerkennung der Bedeutung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft über diesen Raum hinaus enge wirtschaftliche Beziehungen zu allen europäischen Ländern für erforderlich halten.“

Auch an anderer Stelle seiner Ausführungen hob Prof. Haberland nachdrücklich hervor, daß die europäische Integration nicht umfassend genug sein könne. „Selbstverständlich begrüßen wir das Zustandekommen der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, denn sie ist ein beachtlicher Schritt vorwärts, zumal sie als ein wichtiges Ergebnis die für Europa so notwendige deutsch-französische Zusammenarbeit gebracht hat.“ Aber alle Maßnahmen, die einen Brückenschlag zwischen EWG und EFTA erschweren, müßten auf die Dauer gesehen die wirtschaftliche Kraft unseres Kontinents und damit der freien Welt schwächen. Die EWG stelle nur den ersten Schritt zu einer umfassenderen Integration dar, und der zweite müsse sehr bald getan werden.

Die Diskussion zwischen Verwaltung und Aktionären – bei einer Präsenz von 73 v. H. waren mehr als 1400 Aktionäre anwesend – bewegte sich in ruhigem Fahrwasser; sie brachte allerdings auch keine wesentlichen Ergänzungen mehr zu der – schon recht weitgehenden – Publizität des Unternehmens. Der einzige Mißton der Veranstaltung klang auf, als der Vertreter einer Großbank sich bemüßigt fühlte, einen langatmigen Beitrag zu dem „seit zwei bis drei Jahren üblichen Stil der deutschen Hauptversammlungen“ zu verlesen. Diese Rede sollte offenbar Wogen glätten, die aber gar nicht vorhanden waren und die dementsprechend nicht nur völlig fehl am Platze war, sondern auch genau das Gegenteil von dem erreichte, was der Sprecher beabsichtigt haben mag: nämlich tumultarische Szenen. Dieser Bankensprecher hatte sowohl seiner Bank, als auch der Bayer-Hauptversammlung einen Bärendienst erwiesen..

Nmn

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Die Karlsruher Lebensversicherung AG hat 1959 mit 399 Mill. DM Versicherungssumme (i. V. 299 Mill.) den höchsten Zugang seit Bestehen zu verzeichnen. Der Versicherungsbestand stieg um 261 auf 1906 Mill. Versicherungssumme. Die Beitragseinnahmen erhöhten sich von 71 auf 76,5 Mill. DM, die Vermögenserträge von 18‚5 auf 20,9 Mill. Die Leistungen aus Versicherungsverträgen erreichten 33,9 (32,8) Mill.; darin sind die Versichertendividenden mit 9,7 Mill. DM enthalten. Die Vermögensanlagen erfuhren eine Erhöhung um 45 auf 353 Mill. DM. Deckungsrückstellungen und Beitragsüberträge erreichen 285 Mill. DM, die technischen und sonstigen Rückstellungen 66 Mill. Den Hauptanteil hiervon beansprucht die Rückstellung für Beitragsrückerstattung (Gewinnreserve) mit 50,9 (44,1) Mill., die sich nach Durchführung der vorgeschlagenen Überschußverwendung auf 52,4 Mill. erhöhen wird. Aus dem Überschuß wird die Gewinnreserve der Versicherten mit insgesamt 16,8 (14,4) Mill. DM dotiert. Der am 2. Juni 1960 stattfindenden Hauptversammlung wird eine Aktionärdividende von wiederum 10 v. H. vorgeschlagen. Die zufriedenstellende Entwicklung hat 1960 angehalten.