B. W., Hamburg

Ich kam aus einem Kellerlokal, und er kam nebenan aus einer Kellerwohnung. „Da steht er“, sagte eine Frau. „Joe heißt er mit Vornamen. Zwanzig Mark wollte er mehr bezahlen, damit er das Zimmer überhaupt bekommt. Aber ich sagte, wer schon in einem Keller wohnt wie wir, kommt leicht ins Gerede. Deshalb können wir keinen Schwarzen gebrauchen. Ich verzichte lieber auf die zwanzig Mark und nehmt einen Untermieter, der morgens früh geht und abends spät kommt und auch sonst nicht auffällt.“

„Hallo!“ sagte ich zu dem schwarzen Joe. Etwa; erstaunt blickte er auf mich herab. „Ungefähr zwanzig Zentimeter beträgt der Unterschied“, sagte ich abschätzend. „Sie sind mindestens einsfünfundneunzig groß.“

„Wenn das alles wäre ...“

Joe lächelte, ohne seine Zähne zu zeigen. Er lächelte mit den Augen und mit den Lippen.

„Drei Zimmer muß ich mir noch ansehen“, sagte er „und vier habe ich mir schon ansehen wollen, aber ich durfte nicht hinein. Die Vermieter bekamen einen Schreck, als sie mich sahen. ‚Auch das noch‘, hörte ich, ‚bloß raus‘. Ich blieb noch eine Weile vor der Tür stehen und wartete, bis die Leute abgeschlossen hatten. Sie redeten hinter der Tür über mich, genau wie in meiner Pension. Dreihundert Mark im Monat kostet dort das Zimmer. Aber es ist zu klein für mich.“

Joe sprach langsam und schien jedes Wort, das er benutzen wollte, erst einmal auf der Zunge umzudrehen, um es von beiden Seiten abzuschmecken. Er war siebenundzwanzig Jahre alt. Bei einem Kaufmann in Johannesburg sei er Bote gewesen, erzählte er, und später Hausdiener geworden. Die Mutter des Kaufmannes habe ihm heimlich etwas Deutsch beigebracht und er habe auch eine Abendschule besucht und die Prüfungen bestanden. Englisch spreche er freilich besser. Aber auf Deutsch käme es ihm besonders an. Er wolle in einer Firma volontieren und Sprachkurse besuchen. Später, so meinte er, wolle er Sprachlehrer werden.