Die Bonner Ernährungsexperten haben es wirklich nicht leicht. Vor ihnen türmt sich ein Berg von 1,2 Mill. t Roggen auf, von dem sie noch nicht wissen, wie sie ihn abtragen können. Der Zuckermarkt zeigt eine ähnliche Übersättigung. Aber bereits gibt es neue Schwierigkeiten, und das ausgerechnet mit der Butter. Mehr als 31 400 t betragen gegenwärtig die eingelagerten Bestände der Einfuhr- und Vorratsstelle. Eine für die Jahreszeit ungewöhnliche Menge, und sie wird noch weiter zunehmen. Liegt doch die Buttererzeugung immer noch über den Vergleichsergebnissen der Vorjahre. Vorsorglich hat man auch von Januar bis März bereits 15 700 t Butter importiert, während es im ganzen Vorjahr nur 24 800 t waren.

Unsere Buttervorräte sind also groß, aber noch nicht zu groß. Was geschehen kann, wenn die vorhandenen Reserven zu gering sind, haben wir ja im letzten Herbst erlebt. Damals herrschte eine – angebliche – Butterknappheit, die die Preise jäh in die Höhe schießen ließ.

Der Butterabsatz, der infolge der überhöhten Preise zurückgegangen war, hat zwar inzwischen wieder zugenommen, aber nicht stark genug, um das Anwachsen der Vorräte zu verhindern. Daß der Butterpreis unter diesen Umständen wieder zurückging, ist kein Wunder – höchstens, daß es nicht in noch größerem Ausmaß geschah.

Für den Verbraucher ist es beruhigend, daß Bonn mit dem „Butterberg“ gegen eine Wiederholung der „künstlichen“ „Butterverknappung gewappnet ist. Dem deutschen Bauernverband paßt das allerdings gar nicht. Obwohl die Milchproduktion in allen Teilen des Bundesgebietes höher ist als im vergangenen Frühjahr und auch mehr Butter erzeugt wird, stimmt er bereits wieder das bekannte Klagelied an: „Die langanhaltende Kälte sowie Trockenheit in weiten Teilen des Bundesgebietes wirken sich hemmend auf die Milcherträge aus“. Sein Präsident Edmund Rehwinkel versuchte, den Bundesernährungsminister mit einem Telegramm unter Druck zu setzen. Der Bauernverband „hält es unter diesen Umständen für völlig unvertretbar, daß durch Maßnahmen der Butterauslagerung aus Beständen der Einfuhr- und Vorratsstelle immer noch ein starker Druck auf die Preise für frische deutsche Markenbutter ausgeübt wird“.

Scheint also die Tätigkeit der Einfuhr- und Vorratsstelle einmal wirklich zu funktionieren, so ist die Landwirtschaft sofort unzufrieden. Nun – der Verbraucher ist es schon lange. Immer wieder gab es plötzliche Preiserhöhungen bei der Butter, während andererseits wirklich niedrige Preise in der Zeit der Milchschwemme selten waren. In Bonn sollte man sich daher überlegen, ob es nicht vernünftiger wäre, auch bei der Butter das Preispendel mehr spielen zu lassen. Die Hausfrau bekäme dann in der Saison billige und auch wirklich frische Butter. Dafür müßte sie im Herbst und im Winter etwas mehr bezahlen (wie ja auch bei den Eiern). Die Entwicklung dort zeigt, daß das Experiment gelungen ist. Der Absatz hat stark zugenommen, und der Verbraucher hat sich an die Saisonkurve der Preise gewöhnt. Er kann sich die Entwicklung erklären und opponiert nicht. Der Butterpreis ist heute wirklich kein „politischer Preis“ mehr. Für den Versuch, ihn zu stützen, werden Jahr für Jahr Millionenbeträge ausgegeben, aber der Erfolg der Einlagerungspolitik ist gering. Steht er wirklich noch in einem vertretbaren Verhältnis zu den Kosten und zu den Qualitätseinbußen? Hans Schlotter