Von Wolfgang Ebert

Nun hat auch unsere Stadt ihren Sittenskandal und steht nicht mehr allein auf weiter Flur. „Warum immer alles Rom und seiner Via Veneto überlassen. In Sachen. Moral sind wir auch keineswegs hinter dem Mond“, versicherte mir ein Herr vom Städtischen Verkehrsamt und rieb sich vergnügt die Hände.

Weitaus weniger entzückt war hingegen Barbara, der-ich die Sensation brühwarm mitteilen konnte. Barbara ist Deutschlands einzige nennenswerte Waffe im internationalen Kampf der Super-Sex-Bomben und gilt in Fachkreisen unbestritten als unsere „Skandal-Dame Nr. 1“. Wenn sie nicht, gerade Skandale entfesselt, ist sie ein liebes, natürliches Ding mit einer gewissen Schwäche für Vanille-Eis.

„Das macht meinen Entschluß endgültig“, sagte sie düster-dräuend, anscheinend zum Äußersten bereit. „Welchen Entschluß?“, fragte ich, während sie sich rührend, aber vergebens, bemüht zeigte, mit ihrem Feuerzeug (ein Souvenir von einem saudiarabischen Prinzen) meine Zigarette anzuzünden.

„Ich werde mich ins bürgerliche Leben zurückziehen.“ Mir fiel vor Schreck die kalte Zigarette aus dem Mund. „Barbara, das ist doch nicht Ihr Ernst!“

„Mein voller Ernst“, erwiderte sie und hatte etwas Unwiderrufliches in der Stimme, „ich habe es schon seit Tagen vor, aber nun ...“

Ich meldete Bedenken an: „Barbara, von Ihren Verehrern abgesehen – haben Sie schon daran gedacht, was Ihre Eltern dazu sagen werden? Wenn Sie nicht mehr in den Klatschspalten stehen, werden sie ja gar nicht mehr wissen, wo Sie sind und mit wem?“