Den Bierdurst der Westberliner befriedigen, abgesehen, von den relativ geringen Einfuhrmengen aus dem Bundesgebiet und dem Ausland, Zwei große Gruppen: die Schultheiss-Brauerei AG und die Berliner Kindl Brauerei AG. Schultheiss, das in jeder Hinsicht größere Unternehmen, verfügt über ein höheres Grundkapital (30,5 Mill. DM) als Kindl (9,375 Mill. DM). Schultheiss ist mit drei Berliner und zwei westdeutschen Organ- und Tochtergesellschaften eng verbunden, während Kindl nach der Umwandlung der 1954 erworbenen Tochtergesellschaft Berliner Schloßbrauerei AG am Ende des letzten Geschäftsjahres (vgl. „DIE ZEIT“ Nummer 1/1960) nur über zwei Braustätten des gleichen Unternehmens verfügt. Verkaufte die Schultheiss-Gruppe 1958/59 von ihren insgesamt produzierten 1,16 Mill. hl Bier rd. ein Viertel im Bundesgebiet und im Ausland, so lieferte Kindl im letzten Geschäftsjahr (31. 12.) von seinen verkauften, 588 000 hl Bier nur 41 000 hl nach Westdeutschland. Die bei der Umwandlung der Schloßbrauerei von der Kindl-Verwaltung geäußerte Absicht, durch die Fusion das Gesamtunternehmen auf lange Sicht zu Stärken und die Ertragskraft der zwei bisher selbständigen Betriebe zusammenzufassen, findet sich z. TV schon jetzt im Geschäftsbericht und in der Bilanz von Kindl bestätigt, obwohl sie nur im letzten Quartal das Ergebnis beider Betriebe zusammenfaßt. (Die Schloßbrauerei bilanziert zum 30.9.) Dies ist auch der Grund, weshalb das Zahlenwerk der Kindl-Brauerei kaum mit dem der Vorjahre vergleichbar ist.

Einige Zahlen vermitteln dennoch ein Bild von der günstigen Entwicklung: Die gesamte verkaufte Getränkemenge stieg auf 626 000 (i. V. 575 000) hl, wovon 588 000 (544 000) hl auf Bier und 38 000 (31 000) hl auf alkoholfreie Getränke entfielen. Das Bilanzvolumen hat sich durch die Übernahme der Tochtergesellschaft, deren letzte Bilanz mit 9,1 Mill. DM bei einem AK von 1,8 Mill. DM abgeschlossen hatte, auf 33,6 (28,8) Mill. DM ausgeweitet. Der zum 11. Mai einberufenen HV wurde vorgeschlagen, auf 7,539 Mill. DM Prioritäts-Stammaktien 15 (12), auf 1,836 Mill. DM Stammaktien 14 (11) v. H. Dividende zu zahlen. Rd. 52 v. H. des gesamten AK liegen unverändert bei der Oetker-Gruppe, die mit ihrem Anteil an der Kindl-Brauerei über ein „goldenes“ Berlin-Papier verfügt.

G. G.