Diese Erzählung des Sowjetrussen Wladimir Dudinzew – die erste größere Arbeit seit seinem Buch „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“, in der er ebenso Kritik am Sowjetsystem übt – handelt von einem jungen Wissenschaftler, der das kühne Projekt eines auf geheimnisvolle Weise ermordeten Freundes zu Ende führen will. Dazu brauchte er Jahrzehnte – doch seit kurzem wird er von einer mysteriösen Eule verfolgt, und sein Arzt sagt ihm, was das bedeutet: „Du hast nur noch ein Jahr zu leben.“

Du solltest aufstehen und dich davonmachen“, sagte der Arzt mit erhobenen Augenbrauen. Er war sichtlich nervös. „Du hast doch noch ein ganzes Jahr vor dir.“

„Nein, ich glaube das nicht.“

„Mach’, daß du wegkommst“, brüllte er mich an, „du stiehlst mir die Zeit. Ich selbst bin krank. Ich habe nur noch anderthalb Jahr zu leben.“

An der Tür packte er mich noch einmal am Ärmel und sagte hastig: „Es ist eine alte Krankheit, an der meist die Begabteren leiden. Bei ihnen wirkt sie sich verheerend aus. Durchschnittsmenschen leiden still an ihr und sterben unauffällig.“

„Und habt ihr noch kein Heilmittel entdeckt?“

„O doch. Wir haben so manches entdeckt. Aber wir können die Mittel noch nicht richtig anwenden. Aber eines wissen wir...“ Und dann sagte er den folgenden, unverständlichen Satz zu mir: „Wer die Eule deutlich vor sich sieht, ist schon halb gerettet.“