Von Sigmund Chabrowski

Der Termin, zu dem der von den Sendboten Eisenhowers in Bonn präsentierte „Entwicklungswechsel“ fällig wird, rückt immer näher. Aber wo sind die Geldgeber, die in der Lage und willens sind, diesen Entwicklungsländerwechsel zu diskontieren? Sie sind noch nicht gefunden. Verständlich, denn hier stehen Milliardenbeträge zur Diskussion, die sich nicht einfach aus dem Ärmel schütteln lassen. Und so beschränkt man sich in Bonn zunächst darauf, die Bilanz über die bisherigen finanziellen Leistungen der Bundesrepublik an die Entwicklungsländer zu ziehen, die übrigens schon in Bälde der (im Anschluß an die Pariser Dillon-Konferenz vom vergangenen Januar) auf atlantischer Ebene eingesetzten Development Assistance Group zur „Genehmigung“ vorgelegt werden muß.

Daß man dabei auf eine möglichst hohe Bilanzsumme bedacht ist, versteht sich, denn um so geringer – so hofft man – wird dann der noch einzulösende Wechselbetrag ausfallen. Daß die Bundesrepublik bislang nicht mehr als gewisse „Abschlagszahlungen“ erbracht hat, darüber sind sich die Bonner Regierungsressorts durchaus im klaren. Zu deutlich war in jüngster Zeit die amerikanische Kritik am bundesrepublikanischen Entwicklungshilfsprogramm.

Gewiß, die deutsche Entwicklungshilfe der vergangenen Jahre kann sich – will man den antlichen, hier und da vielleicht etwas frisierten Bilanzen Glauben schenken – sehen lassen. Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums bringt die Bundesrepublik durch ihre Beteiligung an internationalen Organisationen – wie Weltbank, internationale Finanz-Corporation, Internationale Entwicklungsagentur (IDA) und Entwicklungsfonds der EWG – einen multilateral verwendbaren Beitrag zur Förderung des wirtschaftlichen Aufbaues der Entwicklungsländer von rund 1,5 Mrd. DM auf.

Hinzu kommen multilaterale Finanzkredite in Höhe von 435 Mill. DM. Für Bürgschaften, Garantien und sonstige Gewährleistungen für private Kredite hat der Bund eilen Plafond von insgesamt 17 Mrd. DM zur Verfügung gestellt, der zum weitaus überwiegenden Teil den Entwicklungsländern zugute kommt. Nicht uninteressant in diesem Zusammenhang, daß sich der Gesamtbetrag der umgeschuldeten Forderungen aus Lieferungen von Investitionsgütern auf rund 2 Mrd. DM beläuft. Durch dieses Hinausschieben von Fälligkeiten (Umschuldung) wurde die Durchführung von Entwicklungsvorhaben ohne Zweifel nachhaltig unterstützt. Doch dieser Leistungen nicht genug: die dem Bund nahestehende Kreditanstalt für Wiederaufbau hat aus ERP-Mitteln Refinanzierungsmöglichkeiten in Höhe von zur Zeit 260 Mill. DM eröffnet. Dieser Fonds soll in Kürze mindestens verdoppelt werden. Nicht zu vergessen auch die sogenannte „technische Hilfe“, die seit 1956 läuft und für die bilateral rund 250 Mill. DM aufgewendet wurden.

Mittelbar wurden die Entwicklungsländer durch Gewährung von Krediten an deutsche Unternehmen für die Errichtung von Niederlassungen, Zweigbetrieben oder Reparaturwerkstätten in diesen Ländern gefördert, die sich seit 1953 auf zusammen 50 Mill. DM belaufen. Dazu kommen die direkten Investitionen der deutschen Privatwirtschaft in den außereuropäischen Entwicklungsländern (Stichtag 30. September 1959) von zusammen 883 Mill. DM.

Über die jährlichen finanziellen Leistungen der Bundesrepublik an die Entwicklungsländer informiert die folgende Tabelle, die vom Bundesfinanzministerium in Beantwortung eines von der EWG-Kommission ausgearbeiteten Fragebogens erstellt wurde (alle Zahlen in Millionen DM):