Das Scheitern der Gipfelkonferenz hat in den osteuropäischen Satellitenländern Überraschung, Enttäuschung, ja Schrecken hervorgerufen. Die Presse hat zwar die ganze Schuld am Debakel von Paris dem Westen aufgebürdet, aber nicht immer mit Erfolg.

In Ungarn kam es unter den Arbeitern zu einer gewissen Unruhe, und ihre Auswirkungen waren immerhin so stark, daß in den Industriezentren eine ganze Reihe von Fabrikversammlungen abgehalten werden mußten. Dabei wurde versucht, den Gang der Pariser Ereignisse „korrekt“ zu erklären und die Arbeiter davon zu überzeugen, daß ihre Unruhe „nicht gerechtfertigt“ sei. Bald darauf meldete der ungarische Rundfunk denn auch, daß „diese Menschen jetzt wieder normal arbeiten und mit Zuversicht in die Zukunft sehen“. Das Organ der ungarischen Kommunistischen Partei, Nepszabadsag, berichtete von einem bestimmten Professor, der gefragt hatte, „ob Chruschtschow klug handelte, als er den Westen mit so harten Worten wegen des Spionagezwischenfalls abkanzelte“. Auch dieser Mann, schrieb das Blatt, sei „schließlich überzeugt worden“.

Aus Polen kommen ähnliche Berichte. Anders als in den übrigen Ostblock-Staaten wird dort jedoch ein optimistischer Ton angeschlagen, um die Bevölkerung zu beruhigen. Slowo Powszechne schrieb: „Ministerpräsident Chruschtschow hat in Übereinstimmung mit der friedlichen Politik der Sowjetunion die Tür für neue Verhandlungen offengelassen.“ L. L.