gru/Ascheberg/Westfalen

Über dem Münsterlande lachte die Frühlingssonne. Die Frau des Bauern Josef Wintrup in Ascheberg bei Münster lachte nicht. Kommen Sie auch wegen der Gasquelle?“ fragte sie ungehalten. „Da sind schon viele gekommen. Wir haben kein Interesse mehr daran...“

Etwa 250 Meter vom Hofe des Bauern Wintrup entfernt, an der Landstraße zwischen Ascheberg und Drensteinfurt, steht eine verrostete Pumpe. Ein paar Meter weiter sieht man hinter Maschendraht ein Rohr mit zwei Meßuhren. Unter dem Acker liegt eine Leitung, die zum Hofe führt – das ist das ganze technische Zubehör von Wintrups privater Erdgasfabrik. Mit dem Gas heizt er das Wohnhaus und die Ställe, Frau Wintrup kocht damit ihrer Familie die Erbsensuppe, Schinken, Speck und Würste werden damit in der Räucherkammer geräuchert. Die Energieversorgung ist prompt, kostenlos und ungefährlich. Denn das Erdgas ist nicht giftig. Auch die Anlage der Gaspumpe hat den Bauern nicht viel gekostet. Gebohrt hatten schon andere.

In den Jahren 1903 und 1904 hatte eine Bergwerksgesellschaft in Ascheberg nach Kohle gesucht. Auf Wintrups Acker bohrten sie 904 Meter tief in die Erde. Sie fanden zwar keine Kohle, dafür spritzte aber am 25. Februar 1904 um 19.45 Uhr eine Wasserfontäne hoch. Zu spät gab der Bohrmeister den Befehl, die Lichter zu löschen. Das nachfolgende Gas hatte sich schon entzündet. Der hölzerne Bohrturm stand sofort in Flammen. Mit dem Gas wußte die Bohrgesellschaft nicht viel anzufangen. Sie war nur für Kohle zuständig. So leitete sie es seitwärts ab und ließ es durch ein fünf Meter hohes Rohr mit vier Öffnungen entweichen. Das Bohrloch wurde mit Zement zugegossen.

Die Stadt Münster ließ 1921 den Zement wieder ausbrechen und das Gas an die Hammer Zeche Radbod anschließen. Das Gas entwich immer noch mit einem Druck von 20 Atmosphären. Das blieb so bis nach dem zweiten Weltkrieg. Da erinnerte sich die „Gewerkschaft Münsterland“ an die Gasquelle. Und wieder erschien ein Bohrtrupp auf Wintrups Ländereien. Abermals stieß er in einer Tiefe von 900 Metern auf Gas. Es kam zuerst mit einem Druck von 90 Atmosphären an die Oberfläche. Aber als durch eine Sprengung eine Salzader zerschlagen wurde, sank der Gasdruck auf 40 Atmosphären. Die Bohrung war für die chemischen Werke in Hüls unbrauchbar – nicht aber für den Bauern Wintrup.

Für seinen Bedarf war die Quelle gerade richtig. Er erhielt die Genehmigung des Bergamtes und der Bohrgesellschaft „zur persönlichen Ausnutzung der Gasquelle“. „Passieren kann dabei nichts“, meint der Bauer. Er hat sich eine Sicherung für 500 Mark gekauft. Sie verschließt die Leitung, falls der Gasdruck wieder stärker wird, und speichert das Gas, wenn es auf dem Hof nicht gebraucht wird. Wintrups Erdgasfabrik arbeitet billig.

In Herbern, rund 10 Kilometer von Ascheberg entfernt, gibt es noch eine zweite Gasquelle. Sie ist jedoch nicht ganz so billig für ihren Besitzer. Er muß seit drei Jahren „Miete“ an die Röchlin-Werke bezahlen. „Das ist mehr als ein Witz“, knurrt der Bauer Ignaz Rothert. „Seit 1913 haben wir die Quelle für uns benutzt, und jetzt plötzlich sollen wir dafür bezahlen. Wo die Quelle direkt neben der Scheune liegt.“

Von der Quelle selbst kann man nicht viel sehen. Sie ist unter einem Haufen Mist begraben. Über dem Gasometer knattert das überflüssige Gas. Ich frage den Bauern, wieviel er denn bezahlen müsse. Der schüttelte nur den Kopf: „Das geht keinen was an ...“