DIE ZEIT

Über’m Gipfel Ruh

Chruschtschow hat zwar nicht wie weiland Hermann Göring gesagt, er wolle Meier heißen, wenn es einem fremden Flugzeug gelingen sollte, die Landesgrenze zu überqueren, aber er hatte doch so oft die Verläßlichkeit des sowjetischen Radarsystems und der Luftabwehr gepriesen, daß die öffentliche Feststellung, solche Flüge fänden regelmäßig über sowjetischem Gebiet statt, ein schwerer Schlag für ihn sein mußte.

Nicht in Sack und Asche

Nur wenige Amerikaner hatten sich von der Gipfelkonferenz eine großartige Entspannung versprochen. Viele Republikaner, die im vergangenen September schon den Empfang Chruschtschows in Amerika mißbilligten, waren ja von vornherein gegen die Reise des Präsidenten nach Paris wie gegen seinen jetzt abgeblasenen Besuch in Rußland gewesen.

Langstrecken-Atlas

Das interkontinentale Sorgenkind der Vereinigten Staaten, das seit seiner ersten Flugerprobung im Juni 1957 mehrfach wegen technischer Unzulänglichkeit sitzengebliebene Ferngeschoß „Atlas“, hat nun doch seine Reifeprüfung mit Auszeichnung bestanden.

Des Bundeskanzlers Forderung

Bericht Macmillans über Paris vor dem Unterhaus: Großer Beifall im ganzen Haus, als Gaitskell dem Regierungschef bestätigte, daß er dies getan habe, um einen Zusammenbruch in Paris zu vermeiden, und als Macmillan dem Oppositionsführer dankte für den Geist der Mäßigung und Weisheit, den er in dieser Situation bewiesen habe.

ZEITSPIEGEL

In Amerika ist nach dem Zusammenbruch der Pariser Konferenz das Interesse an atomsicheren Luftschutzbunkern sprunghaft getiegen.

Sturm über Nippon

Japans Premierminister Nobusuke Kishi hatte Pech. Der Widerstand gegen den neuen Sicherheitsvertrag mit den USA, den er zu Beginn des Jahres in Washington unterzeichnete, war während der letzten Monate ohnehin schon immer mehr gewachsen.

Nikita hier - Nikita da

Ganz Westberlin sei eine einzige „U 2“ – dieser Vergleich war am Tage der Ostberliner Chruschtschow-Rede bei den SED-Funktionären im Schwange.

Steht Chruschtschow unter Druck?

Zweifel an der These einer „Machtverschiebung im Kreml“ – Erklärung für Paris: eine gigantische Fehlkalkulation des Sowjetpremiers

England hofft weiter

Wie immer sich das Scheitern der Gipfelkonferenz auf die Reputation Eisenhowers und Chruschtschows in ihren Ländern auswirken mag, eines steht fest: Das Ansehen des englischen Ministerpräsidenten, der sich am meisten für das Zustandekommen des Treffens eingesetzt hatte, ist durch das Pariser Debakel in England überhaupt nicht beeinträchtigt worden.

Enttäuschung im Ostblock

Das Scheitern der Gipfelkonferenz hat in den osteuropäischen Satellitenländern Überraschung, Enttäuschung, ja Schrecken hervorgerufen.

Das Recht auf Wasser

Auf der Anklagebank saßen zwei Offiziere der Bundesmarine: Der 39 Jahre alte Korvettenkapitän Hans Otto Kleve vom dritten Schnellbootgeschwader und sein Wachoffizier, der 23 Jahre alte Leutnant zur See Hannes Ewerth.

Sie haben sich in die Städte verliebt

Das südafrikanische Parlament hat sich trotz erbitterter Proteste der Opposition bis zum 20. Januar 1961 vertagt. Die Regierungspartei Ministerpräsident Verwoerds erzwang die Vertagung, obwohl der vor zwei Monaten verhängte Notstand immer noch nicht aufgehoben ist.

Die Polen und die Deutschen

Ehe ein Bundesrepublikaner nach Polen reist, läßt er sich am besten Elefantenhaut wachsen! War es schon – als Auftakt zur Gipfelkonferenz – der Sinn der offiziellen Propaganda, die Westdeutschen als die Teufel hinzustellen, so stiegen die Haßtiraden gegen die „NRF“ (Niemiecka Republika Federalna) und gegen „Kanzler Adenauer“ nach dem Scheitern der Pariser Gespräche zur Siedehitze.

Nordrhein-Westfalen: Gas aus der Privatquelle

Über dem Münsterlande lachte die Frühlingssonne. Die Frau des Bauern Josef Wintrup in Ascheberg bei Münster lachte nicht. Kommen Sie auch wegen der Gasquelle?“ fragte sie ungehalten.

De Gustibus

Diese Kunden kommen zu Ihnen“ ist auf dem Geschäftsbogen einer Werbefirma in Meimsheim, Württemberg, zu lesen. Und neben dieser Ankündigung sind die „Kunden“ abgebildet, vier wacker dahinschreitende Babys, eins immer kleiner als das andere.

Abrechnung mit den Vätern

Obwohl dieser Erstling ganz gewiß nicht als epische Kunstleistung bezeichnet werden kann und obwohl auch sein zeitdokumentarischer und informatorischer Wert nicht allzu groß ist, haben wir es mit einer höchst bemerkenswerten und vielleicht sogar symptomatischen Neuerscheinung zu tun.

Mein Gedicht: An Wilhelm Hartlaub

Dieses Gedicht Mörikes liebe ich ganz besonders, vermutlich aus Gründen, die viel tiefer liegen, als der nachspürende Verstand angeben kann.

Musica ex machina

Seit der Begriff des „Fortschritts“, der in der technisch-wissenschaftlichen Welt durchaus legitim ist, auch in die Terminologie des Musikdenkens eingedrungen ist, gibt es eine große Gruppe von Musikern, die das Heil der Zukunft in der Entdeckung und Erschließung immer neuer klangmaterieller Möglichkeiten erblicken.

Satt-roter Casanova

präsentiert. Soeben wurden die ersten beiden Doppelbände ausgeliefert; danach läßt sich sagen: Diese Edition wird zweifellos zu den schönsten Büchern des Jahres zählen.

Ersetzt die Partei den Schriftsteller?

In der „DDR“ sehen wir in wenigen Tagen einem literarischen Großereignis entgegen: Wenn sich die Lektoren der Zeitung „Neues Deutschland“ nämlich beeilen, wird bald ein Preis an den Arbeiter verliehen werden, der „aus Anlaß des 15.

Der König im Schauspielhaus

Ein bravouröses schauspielerisches Kabinettstück bot am vergangenen Sonnabend das Hamburger Schauspielhaus mit Friedrich Hebbels „Gyges und sein Ring“: die Regie war bis in letzte Details durchdacht, kultiviertere Sprecher als Gustaf Gründgens, Joana Maria Gorvin und Sebastian Fischer dürften Hebbels Verse kaum je gefunden haben und gegenwärtig in Deutschland gewiß nicht wieder finden.

Nr. 22 vom 1. Juni 1950: Zunächst

So wäre also zunächst keine Hoffnung mehr auf eine Wiedervereinigung Deutschlands? Und der deutsche Westen wäre gezwungen, den deutschen Osten aufzugeben, wenn er sich nicht selbst wirtschaftlich und politisch der Sowjetunion ausliefern will? Keineswegs! So zu urteilen hieße unser wichtigstes politisches Aktivum übersehen.

Hut ab, eine Oper!

Hans Werner Henzes „Prinz von Homburg“ in der Hamburger Staatsoper uraufgeführt

Weil der Boden schwankte

1926 wurde er in Hamburg geboren, 1959 ist er aus dem Leben geschieden. Nicht aus äußeren Gründen, wegen finanzieller Schwierigkeiten oder Erfolglosigkeit.

Das süße Leben

Nun hat auch unsere Stadt ihren Sittenskandal und steht nicht mehr allein auf weiter Flur. „Warum immer alles Rom und seiner Via Veneto überlassen.

Gedalje

Am Vorabend des Sabbath überfällt mich immer eine schwere, traurige Erinnerung. Einst hatte an diesen Abenden mein Großvater mit seinem gelben Bart die Bände von Ibn Ezra gestreichelt.

Das Kind im Weibe

Es begann vor neun Monaten. Damals ging ich eines Abends aus dem Büro nach Hause. Ein Kollege, mit dem ich ein Stück Wegs gemeinsam habe, deutete plötzlich mit einer unauffälligen Bewegung auf einen ergrauten Vater, der, sein Töchterchen an der Hand, vor einem Schaufenster stand, und murmelte dazu: „Schon wieder so ein Humbert Humbert.

Unser Recht:: Kinder am Steuer

Vater sein ist schwer. Es ist noch schwerer, wenn man seinen Kindern zuliebe hinter Gittern lernen muß, wie gefährlich ein Auto werden kann.

ZEITMOSAIK

Das vierbändige große Romanwerk des englischen Schriftstellers Lawrence Durrell („Justine“, „Balthazar“, „Mountolive“ und „Clea“) soll jetzt in Hollywood verfilmt werden.

Mahlzeit!

In allzu frühen Wahlvorbereitungen scheint man die Realitäten des Vorwahljahrs aus den Köpfen zu verbannen. Jedenfalls hat der Bundestag in dritter Lesung den Gesetzentwurf der Bundesregierung über die Liquidation der Deutschen Reichsbank und der Deutschen Golddiskontbank (Dego) abgelehnt, nachdem kurz zuvor der Entwurf in der zweiten Lesung noch eine Mehrheit erhalten hatte.

Buttervorräte noch nicht zu groß

Die Bonner Ernährungsexperten haben es wirklich nicht leicht. Vor ihnen türmt sich ein Berg von 1,2 Mill. t Roggen auf, von dem sie noch nicht wissen, wie sie ihn abtragen können.

ZEIT-RAFFER

Wie die Handelsvertretung der Sowjetzone in Großbritannien bekanntgegeben hat, ist England nach der Bundesrepublik heute der wichtigste ostdeutsche Handelspartner in Westeuropa.

Wovon die City spricht: Napoleon geht um...

Um wieviel näher würden die Engländer doch dem Kontinent rücken (und sich das Leben auch auf andere Weise erleichtern), wenn sie sich endlich dazu entschließen wollten, das antiquierte System ihrer Maße und Gewichte insbesondere natürlich ihrer Währung zu reformieren.

Am runden Tisch in Brüssel:: Investitionen im Hexenkessel

Als dieser Tage Monsieur Senoga, einer der eingeborenen Delegierten zur Wirtschaftskonferenz über den bald unabhängigen Kongo, bei einer Brüsseler Bank seine Kongo-Francs gegen belgische eintauschen wollte, erlebte er eine böse Überraschung.

Der Markt der Teenager: Lässig auf gepflegte Art

Man hat die Kaufkraft der Teenager und der Twens in unserem Land erst vor kurzem entdecktr. Aber man weiß es jetzt: das Wirtschaftswunder hat den „Markt“ dieser jungen Leute in den letzten Jahren kräftig erweitert, sowohl jener, die selber verdienen, als auch derer, die ihr Taschengeld aus dem elterlichen Säckel beziehen.

Drahtindustrie hatte ein gutes Jahr

Was bereits aus den Veröffentlichungen einzelner Drahterzeuger deutlich wurde, unterstreicht der soeben vorgelegte Jahresbericht der Fachvereinigung Draht e.

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