Vater sein ist schwer. Es ist noch schwerer, wenn man seinen Kindern zuliebe hinter Gittern lernen muß, wie gefährlich ein Auto werden kann. So hatte sich Herr Lobesam nichts Böses dabei gedacht, als er seinem vierzehnjährigen Sohn privaten Fahrunterricht gab, ihn zu einem „routinierten Fahrer“ ausbildete Und ihm gestattete, den Wagen aus der Garage zu holen und wieder hineinzufahren. Das kurze Stück Straße, das der Junge dabei zu fahren hatte, war ja menschenleer und verkehrsfrei.

Polizei und Richter sahen jedoch in diesem Verhalten des stolzen Vaters ein strafbares Vergehen nach Paragraph 24 des Straßenverkehrsgesetzes, das mit Geldstrafe bis zu 10 000 DM oder mit Gefängnis bis zu zwei Monaten bestraft wird. Es handelt sich hierbei nicht um ein sogenanntes Kavaliersdelikt oder um eine bloße Übertretung, sondern um eine kriminelle Straftat, die als Vorstrafe in das Strafregister eingetragen und dort erst nach zehn Jahren getilgt wird. Der Jugendliche über vierzehn Jahre wird außerdem bestraft.

Der Bundesgerichtshof hat in dem grundsätzlichen Urteil vom 7. September 1959 (2 StR 240/59 in NJW 1959, S. 1883) festgestellt, daß es ein erhebliches Verkehrsvergehen ist, wenn ein Autobesitzer einem anderen, der keinen Führerschein hat, das Steuern des Wagens gestattet. Dabei ist es völlig gleichgültig, ob auf abgelegenen Wegen oder auf verkehrsfreiem Gelände ohne Fahrerlaubnis gefahren wird. Der Halter eines Kraftfahrzeuges macht sich in jedem Fall strafbar, wenn er einem Nichtberechtigten seinen Wagen überläßt. Es spielt auch keine Rolle, ob der Autobesitzer selber neben dem Fahrer sitzt und diesem nur das Steuern überläßt, ob also der Fahrberechtigte Gas- und Kupplungspedale sowie Bremsen bedient.

Den von der Verteidigung versuchten Vergleich mit einem Fahrlehrer wiesen die Bundesrichter als abwegig zurück. Zum Fahrlehrer aus eigener Machtvollkommenheit darf sich eben niemand aufschwingen, damit der Verkehr nicht gefährdet werden kann. Deshalb kommt es auch nicht darauf an, ob sich andere Verkehrsteilnehmer in der Nähe befinden oder nicht. Zur Strafbarkeit bedarf es nicht einer konkreten Gefahrenlage, vielmehr wird schon die abstrakte Verkehrsgefährdung mit Strafen bedroht. Das ist beim Fahren ohne Führerschein stets der Fall.

Erschwerend und strafverschärfend ist es, wenn Kinder und Jugendliche zum unerlaubten Autofahren herangebildet werden. Es ist nämlich nicht zu übersehen, daß die Versuchung, ohne Fahrerlaubnis zu fahren, zu groß ist, wenn jemand erst einmal fahren kann.

In solchen Fällen können Eltern zusätzlich wegen strafbarer Verletzung der Aufsichtspflicht zur Rechenschaft gezogen werden; denn Jugendliche bis zu 18 Jahren müssen gewissenhaft beaufsichtigt und sogar laufend kontrolliert werden. Daher können Eltern auch dann bestraft werden, wenn ihre Kinder den elterlichen Wagen heimlich benutzen, ohne im Besitz des Führerscheins zu sein.

Die Gerichte stehen sicher nicht unberechtigt auf dem Standpunkt, daß Eltern verpflichtet sind, alle Schutzmaßnahmen zu treffen, um den Kindern einen Mißbrauch des elterlichen Kraftfahrzeugs unmöglich zumachen. Verursachen die Kinder dann einen Unfall, werden auch die Eltern strafrechtlich verantwortlich gemacht, während die Versicherungen wegen grober Vertragsverletzung nicht einzutreten brauchen.